Heute vor etwa einem Jahr habe mit der Planung zu meiner Auszeit gestartet. Es waren noch 100 Tage bis zur Weltreise. Lest hier von der Zeit meiner Kündigung, wilder Vorfreude und einem ziemlichen Gefühlschaos… 

September 2017. Noch 100 Tage bis zum Start meiner Weltreise. Die Entscheidung im Kopf war monatelang gereift. Nach seeehr viel hin und her Überlegen hat es dann irgendwann wirklich „Klick“ gemacht, und ich war mir sicher, dass ich es durchziehen möchte. Jedes Mal, wenn ich daran gedacht habe, hat es ein wohliges Kribbeln bei mir ausgelöst. Jedes Mal, wenn ich Reiseziele und Orte recherchiert habe, die ich sehen will, war ich voller positiver Energie. Bis gute drei Monate vor meiner Reise war das aber alles nur in meinem Kopf und in meinen Notizen. Noch hätte ich die Idee wieder verwerfen können…

Ok, ich hatte schon neue Bikinis bestellt, neue Flipflops und ein Reisehandtuch und, vielleicht noch schlimmer, hatte allen Freunden erzählt, dass ich auf Weltreise gehen will. Aber rein theoretisch hätte ich noch alles abblasen können. Insbesondere in diesen paar Tagen bevor ich gekündigt habe, hatte ich einige schaflose Nächte. Obwohl ich wusste, dass ich das unbedingt will. Es ist schon ein ganz schöner Schritt ins Ungewisse. Vor allem wenn man ganz alleine loszieht und vorher auch noch nie wirklich alleine gereist ist. Und so ging es 100 Tage vor der Weltreise dann tatsächlich langsam ans Eingemachte. Der Point-Of-No-Return rückte näher.

Für alle, die ich inspiriert habe in den letzten Monaten und die sich nun selber an die Planung machen wollen 😉 und natürlich auch alle, die einfach nur neugierig sind, habe ich sie hier mal zusammengepackt: Meine Tagebuchaufzeichnungen von vor genau einem Jahr. So fühlt sich das also an kurz bevor es los geht…

Tag -100. Ich frage mich nochmal: Warum mache ich das eigentlich?

Warum mache ich das eigentlich? Alles auf Los. Job kündigen. Wohnung untervermieten. Ungewissheit zulassen. Alleine los. Weltreise. Eine gute Frage.

Die Antwort darauf gebe ich mir doch selber schon viel zu lange. Ich träume schon ewig davon einfach einmal ein paar Monate frei zu sein. Vielleicht sogar zum ersten Mal wirklich zu entdecken wer oder wie ich eigentlich sein kann, wenn ich nicht jeden Tag irgendwo eingespannt bin. Mich statt dessen einmal wieder wirklich inspirieren zu lassen. Von allem was die Welt zu bieten hat. Von faszinierenden Landschaften, wilden Tieren, dem Meer, den schönsten Stränden dieser Welt, pulsierenden Städten, Menschen mit neuen Ideen, Sichtweisen und Kulturen. Und von tausend anderen spannenden Dingen.

Und schon viel zu lange sitze ich täglich auf meinem Platz im Büro und frage mich, ob es das denn jetzt schon war mit den Abenteuern in meinem Leben. Draußen scheint die Sonne oder es regnet – aber eigentlich bekomme ich es gar nicht wirklich mit. Oder, wenn ich am Wochenende mal wieder Abends in der Stadt unterwegs bin, mich umschaue und mich frage, ob mir eine Pause nicht mal gut tun würde von all dem hier. Der netten, sehr gut eingespielten Welt zwischen Arbeit unter der Woche und Freizeit genießen und Ausgehen am Wochenende. Hinaus in eine Welt voller neuer, ungeahnter Möglichkeiten. Die eingespielte Welt ist keine schlechte. Mir geht es gut, uns allen geht es gut in einem Land wie Deutschland. Aber trotzdem ist es für mich Zeit mal wieder mehr Spannung in mein Leben zu bringen und meine Komfortzone zu verlassen. Ich muss einfach mal raus.

Und zuletzt, weil ich nicht schon wieder einen dunklen und nasskalten Winter in Deutschland verbringen will. Und wenigstens mal ein paar Monate Sonne, schönes Wetter und Meer am Stück erleben will… oder für immer?! Mal sehen.

Und dann ist es auch ein bisschen eine Mutprobe. Bin ich stark genug? Ganz allein in der Welt? Bekomme ich Heimweh? Kann ich das überhaupt, dieses alleine Reisen? Werde ich einsam sein? Wie „frei“ ist man eigentlich so weit weg von zu Hause und welche Gedanken nimmt man doch immer mit? Wie locker gehe ich wirklich damit um Geld auszugeben aber keinen Job zu haben wenn ich zurück komme? Was für einen Job mache ich danach? Momentan vertraue ich darauf, dass alles gut wird und sich einfach finden wird.

Tag -98. Point of No Return! DIE Kündigung.

Krass. Point of no return ist heute. Kündigung abgegeben.

In echt jetzt. Nicht nur gesagt, dass ich es tun möchte sondern es getan. Also schriftlich. Meinem Chef gesagt habe ich es schon vor ein paar Tagen. Das war schon seltsam, aber damals bestand noch die potentielle Chance von unbezahltem Urlaub. War allerdings nicht möglich, die Firma wollte keinen Präzedenzfall schaffen. Deshalb ist das jetzt wirklich FINAL. Kurzer Termin in der Personalabteilung, ich kenne die Dame gar nicht, die mir gegenüber sitzt, da meine eigentliche Ansprechpartnerin im Urlaub ist. Nochmal kurz Herzklopfen, meinen Zettel abgegeben. Alles relativ wortlos. Und jetzt… Vorfreude? Weiß nicht. Gerade eher surreal. So fühlt es sich also an wenn man kündigt um auf Weltreise zu gehen. Fast ein bisschen zu unspektakulär. Was kommt jetzt? Zum Arbeitsamt? Wohnung ausmisten? Versicherungen checken?  Ich glaube jetzt kommt erst mal der wenige spaßige Teil der Geschichte. Ich werde mich an die Arbeit machen. Abends trinke ich dann doch erst mal ’ne halbe Flasche Sekt alleine. Und feiere mich tanzend im Wohnzimmer.

Tag -50. Alles im Flow… Meistens…

Mischung aus „Alles im Flow“ und leichter Panik.

Mittlerweile sind viele Dinge schon erledigt. Die Krankenversicherung fürs Ausland ist abgeschlossen. Das war einfach mit einen bisschen Recherche. Auch die Krankenversicherung in Deutschland abzumelden war easy. Ein überraschend kompetenter und freundlicher Mitarbeiter hat mir schnell geholfen. Dann habe ich auch erstaunlich schnell und einfach sehr nette Zwischenmieter gefunden, denen ich meine Wohnung guten Gewissens anvertrauen kann. Habe alle möglichen Arztbesuche erledigt, zum Glück ist alles gesund an mir. Habe meine Wohnung halb ausgemistet. Dabei meinen halben Kleiderschrank entsorgt und allein das war schon unglaublich befreiend. Die zweite Kreditkarte ist beantragt, nur zur Sicherheit. Die ersten Wochen der Reise sind durchgeplant und die ersten Flüge gebucht. One-Way-Tickets. Ich wollte schon immer mal One-Way-Tickets kaufen (ok, preislich sind die echt Schwachsinn, aber dieses Gefühl ein One-Way-Ticket in der Hand zu haben ist unbezahlbar!). Meine aktuelle Arbeitsmotivation geht so *gg*, aber ich versuche mich tapfer zu halten und meine Projekte wirklich gut zu Ende zu bringen um sie irgendwann an meine potentielle Nachfolgerin übergeben zu können.

Manchmal überkommt mich pure Dankbarkeit darüber, dass ich das alles machen darf. Dass ich tatsächlich auf eine Weltreise gehe. Manchmal ein bisschen Panik, dass ich nicht alles schaffe, etwas vergesse vorzubereiten, oder es doch nicht so cool wird und ich unterwegs einsam sein werde. Die Zeit vergeht wie im Flug. Uns so langsam bin ich in Gedanken gar nicht mehr so ganz hier, sondern schon irgendwo weit weg. Ich versuche es zu genießen, dieses Gefühl von: „Ich mach mir die Welt jetzt mal für ne Weile genauso wie sie mir gefällt“.

Was mir auffällt: Nachdem einmal die klare Entscheidung getroffen war, macht sich neben Vorfreude und Stolz über den eigenen Mut (und manchmal ein bisschen Planungspanik) vor allem ein Gefühl breit: eine innere Zufriedenheit, wie ich sie lange nicht gespürt habe. Das Wissen, meinen eigenen Träumen zu folgen. Und vielleicht zum ersten Mal im Leben zu 100% nur das zu machen, was ich will. Ohne Kompromisse.

Tag -27. Weihnachten und Abschiedsstimmung.

Weihnachten und Abschiedsstimmung…nur noch ein paar Wochen.

Meine letzten Tage im Büro sind angebrochen. Nach heute sind es noch 7 Arbeitstage. Puh, gar nicht mehr viel. Heute haben wir den 22. Dezember. Weihnachten steht vor den Tür und alle sind im Vorweihnachtstress. Oder schon in ihren Weihnachtsferien.

Ich bin… irgendwie in einem Vakuum. Es ist gerade ein wirklich seltsames Gefühl. Ich habe diese Woche meine Projekte langsam abgegeben, meine Nachfolgerin steht endlich fest. Meinen Schreibtisch angefangen aufzuräumen. Ich diskutiere in Meetings so mit als würde es noch relevant sein für mich. Ist es auch – ein paar Momente lang und meistens denke ich irgendwann „kann mir eigentlich total egal sein, bis das umgesetzt wird bin ich längst weg“ und eine völlige Entspanntheit breitet sich in mir aus.

Es ist sehr spannend, wie sehr man doch im Hier und Jetzt lebt. Und wie man sich immer wieder in diesen Modus „nur noch ein paar Tage bis zur Weltreise“ bringen muss um sich klar zu machen, dass man bald weg ist. Ich muss das zumindest. Eigentlich ist das gut. Denn ich freue mich wirklich. Aber ich mag auch mein Leben hier auch und versuche jeden Augenblick intensiv wahrzunehmen und zu geniessen. Vor allem die Zeit mit den Menschen, die ich gern habe. Und die ich bald ziemlich lange nicht sehen werde. Aber bei den meisten weiß ich, dass ich in Kontakt bleibe und sie bald wieder sehe. Deshalb ist das auch nicht so wirklich schlimm.

Jetzt ist erst mal Weihnachten mit meiner Familie angesagt und dann geht das Packen los. Einmal tief durchatmen.

Tag -10. Woah… es ist ganz bald!

Es ist ganz bald!

Weihnachten und Silvester sind vorbei. 2018 ist da. Und es geht jetzt wirklich bald los. Noch 2 Tage arbeiten. Dann zu Ende packen und dann… bin ich weg! Wie surreal. Aber wie cool. Ich kann das noch gar nicht ganz fassen. Manche Leute habe ich schon verabschiedet, ein paar sehe ich noch mal. Gar nicht so easy seine Zeit sinnvoll aufzuteilen und alle nochmal zu sehen. Ich bin noch genau eine Woche in Düsseldorf. Alles ist grob organisiert. Alles in allem schon ein bisschen Orga-Aufwand, aber ich hatte es mir fast schlimmer vorgestellt. Noch ein paar Dinge muss ich erledigen, aber im Grunde müsste ich nur noch packen und aufräumen, Wohnung übergeben und looooos geht’s. Heute morgen dachte ich: Oh mein Gott ich werde mein sehr gemütliches Bett so vermissen!!! Ernsthaft. Ich liebe mein Bett. Schrecklicher Gedanke. Warum kann ich das bloß nicht mitnehmen? Selbst ein Reisekopfkissen ist zu gross…

Na ja. Aber ich könnte auch keinen weiteren Tag hier bleiben. Es fühlt sich so richtig an. Bin ich aufgeregt? Nein. Ich bin immer noch in einem komischen Vakuum. Aber es wird so toll sein einfach jeden Tag auf meiner Weltreise machen zu können worauf ich Lust habe. Großartig. Gerade läuft das Lied  „Blau“. Wie passend. „Hey… guck der Himmel ist blau.. komm das machen wir auch…ich glaub man  muss sich nur trauen…“.

Ich liebe es. Und in diesen letzten Tagen vor dem Abschied sind alle meine Bedenken ganz klein und meine Vorfreude nur noch riesengroß. Ich muss nur noch durch diese allerletzte Abschiedszeit kommen, vor der es mir ehrlich gesagt ziemlich graut.

The DAY! Heute geht’s endlich los!!

Ich sitze im Flieger, yes! 

Die letzten Tage waren doch noch mega stressig. Vor allem der letzte Arbeitstag war ziemlich furchtbar. Sooo viele Kollegen haben sich total süß von mir verabschiedet und mir so viele liebe Grüße und Tipps mit auf meine Weltreise gegeben. Ich hatte noch einen Abschied organisiert und für alle gebacken (na ja, meine Azubine hat mir geholfen, danke!). Es kamen über 60 Leute. Alles fühlte sich ganz seltsam an. Und irgendwie war ich wirklich ergriffen und auch ein bisschen wehmütig. Man war ja doch lange da, hat viel zusammen erlebt und nach über 3 Jahren kennt man dann auch wirklich viele Kollegen erst mal richtig. Mmh. War das wirklich so eine clevere Idee, das alles aufzugeben?

Als ich aber dann nochmal die letzte Abschiedsrunde gelaufen war und keine Worte mehr übrig hatte, meinen PC und mein Handy abgegeben und alles im Auto verstaut hatte, dann fühlte es sich besser an. Und als ich dann, nach den ersten 300 Metern on the road, mit einem grandiosen Sonnenuntergang über den Feldern belohnt wurde, da stellte sich auf einmal dieses Gefühl von Freiheit ein. FREI. Jetzt konnte es endlich losgehen. 

Ok, noch nicht ganz. Danach folgten noch 4 Tage Wohnung ausräumen und putzen. Mein Highlight war, als ich im allerletzten Moment auf die Idee kam, ich müsse nochmal das Waschmaschinensieb säubern. Es danach falsch herum wieder einsetzte und plötzlich meine ganze Küche unter Wasser stand. Ich war wirklich am Rande des Nervenzusammenbruchs, schaffte es aber, die Küche trocken zu legen und mich mit einer Stunde Verspätung auf den Weg zu meinen Eltern zu machen, von wo der Flug 2 Tage später los gehen sollte.

Und jetzt ist es endlich soweit. Das Abenteuer Weltreise kann beginnen. Und gerade bin ich einfach nur voll unendlicher Vorfreude auf ein paar tolle Monate. Keine Angst. Alles entspannt. Auf ins Abenteuer meines Lebens…! Cheers! Und ich lehne mich zurück und genieße den Flug…♥


…Und dann? Wie ging’s weiter? War die Weltreise so wie ich sie mir erträumt habe? Wie geht’s mir jetzt? 

Wenn ihr meine Blogposts der letzten Wochen verfolgt habt wisst ihr, dass es nur wenige Momente gab, die mal nicht ganz so großartig waren und dass ich tatsächlich eine der besten Zeiten meines Lebens hatte.

Und es war sogar sooo schön, dass ich nach den ursprünglich geplanten 6 Monaten noch nicht wieder aufhören wollte. Deshalb geht es jetzt bald, nach ein paar Wochen Heimaturlaub, noch mal ein paar Monate weiter. Erst nach Spanien, dann mit dem Schiff nach Brasilien und danach? Ungewiss. Wir werden es sehen. Noch habe ich ein paar Ersparnisse. Dieses Gefühl keinen Job zu haben hat mich erst in den letzten Wochen zu Hause etwas eingeholt (weil alle um einen herum plötzlich arbeiten 😉 ). Aber nach 2 Tagen mit einem leichtem Anflug von Panik habe ich mich wieder entspannt. Es gibt eben keine Eigentumswohnung für mich und kein neues Auto. Zumindest jetzt erstmal nicht. Dafür aber noch ein paar Monate Spaß, Freiheit, Spannung, Lernen, neue Freunde und Inspiration fürs ganze Leben. Ich habe beschlossen, dass diese Investition in mich selber es definitiv wert ist! Bleibt dran wenn ihr wissen wollt wie es weiter geht…. 🙂

⇒ Meine ersten Wochen Weltreise starteten auf den Philippinen, hier geht’s zum Bericht!

⇒ Und plötzlich war ich alleine unterwegs: So fühlt sich alleine Reisen an…

⇒ Und so lernt man unterwegs Leute kennen (nicht nur in Australien) 

⇒ Wenn es dich interessiert, wie es sich anfühlt seine Träume wahr zu machen. Lies hier!

 

 

 

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