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Über verlauste Backpacker und spießige Tussis in Kleidchen: Unser Schubladendenken macht sogar auf Reisen keine Pause…

Der Titel mag ein bisschen überzogen sein. Aber tatsächlich teilt sich die Schar der Welt- oder Langzeitreisenden durch ihren Reisestil in verschiedene Lager.

Denn obwohl wir alle mit dem gleichen Gedanken Reisen, nämlich mit der Idee die Welt entdecken zu wollen (und eigentlich auch ein ähnlich offenes Mindset haben sollten), so wird der Kofferreisende noch immer schräg vom Rucksackreisenden angesehen und umgekehrt. Diejenige, die im Hostel ein Einzelzimmer bucht, innerlich ein bisschen ausgebuht. Der Backpacker mit den Rastazöpfen wird mit einem gewissen Gefühl von „wie wäscht man sich so eigentlich die Haare – Ekel“ angeschaut. Und das wochenlange Schlafen im Van zu dritt mitleidig belächelt. Und bei beiden Parteien spielt dann neben dem Wissen um den eigenen, besseren Reisestil auch minimal ein bisschen Neid mit. Wie kann der sich das eigentlich leisten? Oder, ist derjenige, der wochenlang wild campt vielleicht doch auch irgendwie etwas cooler? Und das leichte Gepäck nicht irgendwie doch praktischer?

Ich gebe zu, ich bin kein ganz klassischer Backpacker. Ich war es wahrscheinlich noch nie, auch nicht mit Zwanzig. Und auch wenn ich gerne sparsam reise und auch mal campe, couchsurfe oder in Hostels schlafe, brauche ich zumindest alle paar Tage eine gewisse Portion Bequemlichkeit. Sei es nur eine heisse Dusche oder ein frisches Handtuch. Und bloss weil ich länger Reise, muss ich in meinen Augen auch nicht mein komplettes Styling aufgeben. Oder darf mir nicht ab und zu mal meinen eigenen Raum oder den kleinen Luxus unterwegs gönnen. Neudeutsch würde ich mich also eher Flashpacker nennen. Oder eben Travelista 😉 

Aber trotzdem, auch ich hatte diese Zweifel. Werde ich Freunde finden wenn ich nicht permanent in Schlafsälen übernachte? Werden mich die anderen für uncool halten, weil ich keinen 12kg Rucksack habe sondern einen grossen 20kg Trolley, den man zwar auch zum Rucksack umbauen kann wenn man mal muss, aber ich das eigentlich nur für den Notfall vorhatte (den ich aber wärmstens empfehlen kann, ich war sooo happy damit: Der Osprey Sojourn 80)? Soll ich meine komplette Schminke zu Hause lassen? Und mein schönes rotes Sommerkleid? Und meine Glitzerballerinas? Haha. Fragen, die unwichtiger nicht sein könnten, aber über die frau sich dann doch mal kurz den Kopf zerbricht.

Und obwohl mein Reisestil meistens total egal war, bin ich doch tatsächlich immer mal wieder in Situationen geraten, in denen dieser Unterschied nicht nur gedacht, sondern auch ausgesprochen wurde. Unterwegs habe ich  zum Beispiel einen stilechten Backpacker kennengelernt, der schon eine ganze Weile unterwegs war. Irgendwann sagte er mir dann tatsächlich, dass er eigentlich dachte, ich sei „viel zu Tussi und zu spießig“. Und er hatte weder mein Gepäck gesehen, noch mein Airbnb Apartment. Er sagte, er habe es an meinen Ohrringen und meinem Kleid ausgemacht. Aha. Ich musste laut lachen.

Da reist man ans andere Ende der Welt und sieht so viele neue und andersartige Menschen aus allen Kulturen und Ländern. Aber trotzdem ist da noch immer dieses innere Bewertungssystem, mit dem man andere in eine Schublade packt. Fast ein bisschen erschreckend, dass man doch meist nur seinesgleichen an sich ran lassen will und das sogar anhand von klitzekleinen Äusserlichkeiten festmacht. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass wir uns ja scheinbar trotz unserer offensichtlichen Styling-Differenzen ganz gut verstehen. Damit war das dann erledigt. 

Ich glaube gegen dieses Schubladendenken beim Einordnen des Charakters von Menschen nach ihrem Reisestil und ihrem Style hilft nur eins: Offen sein, aufeinander zu gehen, miteinander Erfahrungen teilen. Und dabei merkt man dann vielleicht, dass der andere einem vielleicht eigentlich doch ziemlich ähnlich ist. Immerhin umreist er die gleiche Welt und vor allem weilt er auch an den selben Orten. Denn sonst wäre man sich ja gar nicht begegnet. Ob er da mit Koffer oder Rucksack hin reist, ist das nicht eigentlich egal, wenn es für ihn so richtig ist? Ob er das Einzelzimmer hat oder den Schlafsaal nimmt, spielt das eine Rolle? Der wahre Charakter eines Menschen lässt sich tatsächlich nicht an seinem Gepäckstück ablesen! Und auch nicht an seinen Ohrringen oder an seinem Kleid. Oder seiner Frisur.

In dem Sinne: Urteilt vielleicht manchmal ein bisschen weniger voreilig. Sonst verpasst ihre vielleicht die tollsten Menschen, die euch jemals begegnet sind. Und das gilt fürs Reisen genauso wie für zu Hause! 

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2 thoughts on “Über verlauste Backpacker und spießige Tussis in Kleidchen: Unser Schubladendenken macht beim Reisestil nicht Halt.”

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