18. Januar 2019: Ich bin auf den Tag genau ein ganzes Jahr unterwegs. Mein Weltreise-Jahrestag. 365 Tage Unterwegs. Ein Resümee.

Verrückt. Es sind heute auf den Tag genau 365 Tage, die ich unterwegs bin. 12 Monate. Ein ganzes Jahr. Am 18. Januar 2018 bin ich in den Flieger gestiegen.

Kannst du dich erinnern? Ich wollte nur mal kurze 6 Monate auf Weltreise gehen und dann wieder kommen. Bin ich auch. Aber dann bin ich wieder weg. Weil ich noch nicht genug hatte und irgendwie noch nicht fertig war. Mit der Reise um die Welt. Und der Reise zu mir.

Manchmal kann ich es nicht glauben wieviel Zeit vergangen ist. Dass ein Jahr so schwuppdiwupp vorbei ist. Das ging so unglaublich schnell! Dann wieder kommt es mir wie eine Ewigkeit vor. Wie ein anderes Leben erscheint mir manchmal alles vor dieser Reise. Ich habe so unendlich viele Erinnerungen gesammelt in den letzten Monaten, dass mir manchmal Bilder, Orte und Menschen vor dem inneren Auge auftauchen und ich einen Moment brauche um sie zuzuordnen zu können. Wo war das nochmal, wann? Das ist verwirrend. Aber auch wunderbar. Unglaublich bereichernd.

Es war ein Jahr voller wunderbarer Erlebnisse. Eines schönes als das andere. Ein Jahr voller Highlights und ganz weniger Lowlights. Voller Energie, Glück, Sonne, Meer, tollen Orten, und wundervollen Menschen und Freunden fürs Leben. Und auch die zwei Monate Reisepause im Sommer in der Heimat waren ein Geschenk (ich kann jedem Empfehlen eine Weltreise-Pause einzulegen, dazu ein andermal mehr…).

Natürlich gab es sie auch, die nicht ganz sooo tollen Momente. Die Tage an denen alles nicht so prickelnd war. Das Gefühl von Einsamkeit, das vermissen von Freunden zu Hause oder Menschen, die man unterwegs kennengelernt hat und von denen man sich wieder verabschieden musste. Das Zurechtkommen mit einfachsten Lebensbedingungen oder den Unannehmlichkeiten, die Reisen dann doch auch immer mal mit sich bringt. Einen Körper voller juckender Stiche von Bettwanzen zum Beispiel. Eine Nacht in einem Bett, in das es reinregnet weil das Dach undicht ist. Oder gestern, wo ein Dieb schon meine Tasche geöffnet hatte und ich im letzten Moment meinen Geldbeutel retten konnte. Ein Schockmoment. Oder auch einfach die Angst vor dem was kommt, vor der Ungewissheit der nächsten Monate…?

Aber es gab nichts was mein generelles Lebensgefühl dieses Jahres länger als ein paar Stunden oder maximal Tage verändern konnte: Das Gefühl purer Dankbarkeit, abertausend Glücksmomente und dieses unglaubliche Freiheitsgefühl. Die Leichtigkeit des Seins, die ich fast jeden einzelnen Tag gespürt habe. Diese Inspiration, die ich damit in mein Leben geholt habe. Ich weiss, dass Weltreisen und Langzeitreisen nicht für jeden etwas sind. Aber mich hat es direkt ins Herz getroffen. Mein Herz geöffnet für die Vielfalt dieser wunderschönen Welt. Für das Leben an sich. Für die Möglichkeiten, die sich einem bieten es zu gestalten.

Wenn ich meine alten Notizen durchblättere oder meine ersten Blogbeiträge lese, dann merke ich wie sehr einen so eine Reise verändert. Meine ersten Gedanken noch zu Hause, Monate bevor ich überhaupt eine Entscheidung getroffen habe, waren zwar irgendwie schon entschlossen, voller Vorfreude aber auch voller Zweifel und Angst. Es waren erste, etwas unbeholfene Schritte in die Welt. Jetzt 365 Tage nach dem Start dieses Trips bin ich um ein Vielfaches gewachsen. Immer noch gibt es manchmal Zweifel und Angst. Manchmal kommt dieses Gefühl auf, dass es besser nicht mehr werden kann im Leben. Und das macht mir dann Angst 😉 Es gibt auch Menschen, die meinen sie müssen mich mal „auf den Boden der Tatsachen holen“ und sie lassen mich immer mal wieder für ein paar Momente struggeln. Trotzdem bin ich so viel mehr im Reinen mit mir und glaube so viel mehr daran, dass jeder der Schöpfer seines eigenen Glücks ist…

Ich erfahre auch nach 365 Tagen noch täglich diese Momente, die mich lächeln oder gar strahlen lassen. Vielleicht spüre ich sie noch viel intensiver als je zuvor. Gestern war mein erster Tag in Kolumbien. Nachdem ich morgens an verschiedenen Projekten gearbeitet habe, die mir allesamt unglaublich Spaß machen (ja auch produktiv sein macht mir tatsächlich Spaß), bin ich mittags durch die Stadt gelaufen. Ich sehe ein Kind, was zu Seifenblasen tanzt – und muss lächeln. Ich sehe ein Paar auf der Strasse Tango tanzen – was ein wundervoller Anblick. Eine alte Dame, schick gekleidet, verschenkt Süssigkeiten auf der Strasse – ein so liebevolles Bild. ❤️

Unsere Stadtführerin, eine junge Kolumbianerin, erzählt uns von der Geschichte Medellins, der ehemaligen Drogenhochburg. Und sie tut es mit solch einer Inbrunst, dass ich eine Gänsehaut bekomme. Sie schliesst ihre Führung mit den Worten ab, dass Kolumbien noch immer viele Probleme hat. Aber, dass die Kolumbianer trotzdem tanzen und leben und glücklich sind und dass sie die kleinsten Erfolge feiern. Z.B. dass sie in irgendeinem Fussballspiel in den 90ern EIN Tor gegen Deutschland geschossen haben. Sie haben nicht mal gewonnen. Es stand am Ende 1:1. Aber sie haben dieses verdammte Tor geschossen. Und das zählt. Und dass es ein Wunder ist, dass wir Touristen uns heute in dieser einstmals gefährlichsten Stadt der Welt aufhalten. Und sie unglaublich glücklich ist, dass sie uns alle kennenlernen und uns ihre Heimat zeigen durfte. Und wenn wir alle zurück in unserer Heimatstadt nur ein Bier mit unseren Freunden auf Medellin und Kolumbien trinken, dann erfüllt sich ihr grösster Wunsch – nämlich, dass die Welt ein kleines bisschen ein besserer Ort wird. Weil wir alle daran glauben.

Hast du das Buch „The Big Five for Life“ gelesen? In einer der Szenen geht es darum, dass du dir vorstellen sollst, am Ende deines Lebens wird ein Museum über dein Leben errichtet. Und du schreitest durch die Räume und schaust es dir an. Was willst du in deinem Museum sehen? Welche Bilder sollen hier auftauchen?

In meinem Museum soll diese Kolumbianerin auftauchen, die so voller Leidenschaft über die Wandlung ihrer Stadt gesprochen hat. Das Kind mit den Seifenblasen. Das Paar das Tango tanzt. Natürlich auch meine Familie, meine Freunde und alle Menschen, die meinen Weg gekreuzt haben und mir ein Lächeln geschenkt haben oder immer wieder schenken. Es sollen all die Momente auftauchen in denen ich die Nase in den Wind halte und vor Staunen über die Schönheit des Lebens kaum atmen kann. Die Momente in denen ich davon ein Stück zurückgeben kann. Einer davon wird sein wenn ich dieses eine Bier für Medellin trinke, wenn ich mal wieder in der Heimat bin….

„If you’re awake, you are blessed. Life is a priceless gift. Appreciate every minute of it“

In dem Sinne und als Resümee der letzten 12 Monate: Meine Reise war jeden Augenblick und jeden Cent wert! 365 Tage on the road. Und leider noch immer nicht geheilt. Die vielleicht einzige ungute Nebenwirkung, be aware…. 😉

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast das zu lesen!

 

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