Travelista im Allgäu: Von glücklichen Kühen, Alpengedöns, Gaumenschmaus und Profi-Wander-Senioren…

Einmal ist immer das erste Mal. Diesmal mein erster Urlaub in Deutschland außerhalb von Großstädten oder Nord- und Ostsee. Eine Reise im Spätsommer ins schöne Allgäu. Ein Mama-Tochter Urlaub sollte es werden, der Wunsch war: Natur, Wandern und es uns gutgehen lassen. Und alles am besten nicht so weit weg. Nach etwas Recherche fiel unsere Wahl also auf den Ski- und Wanderort Oberstdorf im Allgäu. Oberstdorf ist die südlichste Gemeinde Deutschlands und liegt in den Allgäuer Alpen. Abenteuer Bayern hiess es da für mich Weltreisende. Sehr ungewohnt muss ich zugeben 😉

Die Anreise war mit 3,5 Stunden Autofahrt (von Frankfurt aus) veranschlagt. Erster Fehler! Wir standen direkt mal 6 Stunden im Stau. An einem Sonntag! Puh. Spät nachmittags kamen wir also endlich müde im Ort und unserem Hotel an. Ein schönes, überschaubar grosses Hotel. Mit Wellnessbereich und beheiztem Aussenpool und insgesamt 3 kleinen Restaurants, davon eines ein Sterne-Restaurant. Wir wollten es uns ja gutgehen lassen. Wir wurden sehr nett begrüsst. Das Zimmer war schön, mit übergrossem Bett und einem Begrüßungsküchlein. Nach einem deftigen Abendessen fielen wir müde in die Federn.

Doch der Schrecken überkam uns am nächsten morgen: Um 7 Uhr drang lautes Geklapper und Geklopfe durch unser Fenster hinein. Statt Alpenblick hatten wir Baustellenblick. Direkt gegenüber unseres Zimmers wurde der Dachstuhl eines Hauses gebaut. Der Horror einer jeden Erholungsreise!!! Schlecht gelaunt haben wir das getan, was wir Deutschen am liebsten tun: Uns erst mal ordentlich beschwert (was nicht wirklich zu irgendwas geführt hat). Das leckere Frühstück, stylisch angemacht in vielen kleinen Weckgläsern, hat unsere Laune ein bisschen gehoben und wir haben uns danach an die Planung unserer Tage gemacht.

Ausflüge in die Alpenwelt

Vier Tage hatten wir nun Zeit die Allgäuer Bergwelt gemeinsam unsicher zu machen. So ging es also am ersten Tag direkt zur nahegelegen Fellhornbahn, die uns auf einen wunderschönen Gipfel führen sollte. Meine anfänglich leichte Skepsis bezüglich der Allgäuer Alpenwelt verflog schon auf dem Weg hinauf auf den Berg. WOW! Bei königlichem Spätsommer-Wetter bildeten die Bergipfel einen markanten Kontrast zu den tiefgrünen Wiesen im Tal. Was für eine grossartige Landschaft. Diese Weite. Diese Berge. Allein eine solch tiefgrüne Wiese ist diesen Sommer schon etwas Besonderes – in Düsseldorf waren alle Wiesen seit Wochen in kalifornisches tot-braun getaucht durch den heissen Sommer.

Auf dem Gipfel angekommen, versuchen wir erst mal den Massen an Wander-Senioren zu entkommen. Zum Merken: Zu dieser Jahreszeit (Ende September) scheint das Allgäu ein Rentner-Mekka zu sein. Ich find‘ das ja gut, dass die sich noch alle mit weit jenseits der 70 auf die höchsten Gipfel wagen! Aber der ein oder andere überschätzt schon mal seine Fähigkeiten ein wenig. Auf gerader Fläche ist das Laufen noch halbwegs easy, aber auf der Gratwanderung zwischen den Gipfeln oder den steileren Passagen blockieren die rüstigen Jungs und Mädels dann doch öfters mal den Weg…

Und trotzdem: Der Blick ist einfach grandios. Ich kann es nicht anders sagen. Dieses Alpenpanorama kann locker mit den schönsten Orten dieser Welt mithalten. Echt. Ich bin ein bisschen stolz auf mein Deutschland, was ich so gar nicht kenne. Allgäu ♥ Das gesamte Gebiet rund im Obertsdorf hat einige schöne Berge, Gipfel und Wanderwege zu bieten, die Berge erreichen hier eine Höhe von über 2600 Metern. Die folgenden Gipfel haben wir bewandert:

Fellhorn

Das Fellhorn ist ein 2037 hoher Berg. Sein Gipfel liegt auf der österreichisch-deutschen Grenze zwischen Kleinwalsertal und Stillachtal. Es zählt zu den Blumenbergen der Allgäuer Alpen und ist für seine großen Alpenrosenfelder bekannt. Ab dem Fellhorn-Gipfel kann man verschiedene Wanderungen machen. Von einfach und kurz, zu richtigem Gekraxel und 6-7 Stunden lang. Immer findet sich auch eine Alp zum einkehren. Es ist wirklich für jeden was dabei. Wunderschön fand ich die Gratwanderung, hier läuft man auf einem schmalen Grat ganz oben entlang von Gipfel zu Gipfel und hat so die ganze Zeit ein 360 Grad Panorama. Absolute Empfehlung!


Nebelhorn

Das Nebelhorn ist mit 2224m noch einen Ticken höher als das Fellhorn. Eine Seilbahn führt hier erst auf die Mittelstation, dann auf die Hauptstation und eine weitere auf den Gipfel. Die Landschaft hier ist etwas karger und weniger pittoresk. Wir sind diesmal nicht ganz mit der Seilbahn hochgefahren, sondern sind die erste Strecke von Oberstdorf aus gelaufen bis zur Mittelstation, da die Schlange hier an der Talstation immer sehr, sehr lang ist. Es gibt einen einfachen Weg auf den Gipfel und einen, der durch Schluchten und vorbei an Wasserfällen führt (und aufgrund der Schwierigkeit der Strecke war es hier schön leer!). Anders, aber total schön. Man kraxelt wirklich vorbei an Flüssen und Wasserläufen über Stock und Stein durch einen dichten Wald. Tolle Strecke. Auf der Mittelstation haben wir uns ein Getränk gegönnt und sind dann mit der Bahn auf die obere Station gefahren. Blöderweise hat sich just in dem Moment das schöne Wetter verabschiedet und ich war sehr froh über meine Mini-Daunenjacke im Rucksack (die Temperatur-Unterschiede zwischen Gipfel, Tal und mit und ohne Sonne waren wirklich heftig). Um wieder mit der Bahn runterzukommen standen wir fast eine Stunde an…


Kanzelwand

Die Kanzelwand (2059m) erhebt sich zwischen dem österreichischen Kleinwalsertal mit dem Ort Riezlern im Westen und dem bayrischen Birgsautal im Osten. Wir befinden uns also hier bereits im schönen Österreich. Die Kanzelwand kann man auch wieder entspannt mit der Seilbahn erreichen, wenn man sie nicht komplett erwandern möchte.
Als wir in Riezlern ankommen, werden wir allerdings erstmal mit einem riesigen Menschenauflauf empfangen. Der Almabtrieb, oder im Allgäu auch Viehscheid genannt, findet ausgerechnet heute statt. Dies ist der Moment, im dem die Kühe von den Bergweiden ins Tal geführt werden um dort dann zu überwintern. Und das wird jedes Jahr und in jedem grösseren Ort gefeiert. Wenn die Tiere alle gesund aus dem Sommer in den Bergen zurück kommen (und nur dann), werden sie prachtvoll geschmückt für den Einlauf ins Tal. Wieder was gelernt, wusste ich auch nicht. So stehen wir also mittendrin im Erlebnis Viehscheid, die Kühe werden an uns mit ohrenbetäubendem Lärm (durch die riesigen Kuhglocken, die sie alle am Hals haben) vorbeigejagt. Nach 10 Minuten ist das Spektakel vorbei und gefeiert wird im Festzelt.

Wir nehmen die Gondel auf die Kanzelwand und laufen hier wieder 2 Stunden um den Gipfel herum und erfreuen uns nach diesem lauten, aufregenden Erlebnis der himmlischen Ruhe in den Bergen 😉


Söllereck

Das Söllereck ist 1706 m hoch und damit einer der eher kleineren Berge. Das Söllereck ist ein teilweise bewaldeter Grasberg. Er nennt sich selbst „der Familienberg“, was eher auf das einfache Skigebiet hinweist. Wir fahren hier sehr entspannt in einer leeren Gondel zum Gipfel, wandern von dort aus am Söllerhaus vorbei und folgen dem Wegweiser Richtung Söller-Alpe. Die Strecke führt zunächst gemächlich steigend durch den Wald, dann führt sie entspannt auf gleichbleibender Höhe am Hang entlang und gewährt wunderschöne Blicke ins Tal. Ein schöner, entspannter Weg! Die Söller-Alpe (Gasthaus) war unser Endpunkt, von hier aus geht ein steiler Weg den Hang weiter hinauf und man kann bis zum Fellhorn auf alpinem Gelände weiter laufen.


Walmendinger Horn

Das Walmendinger Horn (1990 m) erhebt sich an der Nordseite des Kleinwalsertals und liegt in Österreich. Auch hier fahren wir wieder mit der Seilbahn hoch. Das ist generell die beste & entspannteste Methode hier soviel wie möglich von dem schönen Bergpanorama mit zu nehmen (klingt immer so faul…). Auch hier wieder ein wunderschöner Ausblick. Die grasbewachsenen Berge erinnern mich etwas an die Napali Coast in Hawaii (Meine Mama lacht als ich das sage, aber es ist wirklich so: Klein-Kauai im Allgäu 😉 ). Es findet auf der Gipfelstation ein Gottesdienst im Sonnenschein statt (hab ich auch noch nie erlebt) und bei allerschönstem Wetter spazieren wir diesmal bis ganz ins Tal zurück. Vorbei an allen Wander-Senioren, Alp-Gaststätten und glücklichen Kühen…

Oberstdorf, Essen & Abendvergnügen

Noch ein paar Worte zu Oberstdorf selber kann ich mir nicht verkneifen. So schön ich die Alpenwelt fand (wirklich mega schön!), so nicht-am-richtigen-fleck fühlte ich mich in Oberstdorf (vielleicht zu dieser Jahreszeit?!). Das an sich nette Städtchen ist komplett auf Touristen ausgerichtet. Die Geschäfte sind voll von Wanderausrüstung (im Winter sicher Skiausrüstung) in allen Variationen und vorzüglich den höheren Preisklassen. Diese nehmen die Profi-Wander-Senioren scheinbar sehr gerne an. Mit ihren Deuter Rucksäcken mit weitenregulierbarem Hüftgurt und integrierten Trinksystemen, den beigen 2-fach abzipbaren Trekkinghosen, den alpinen Bergschuhen von Salomon und den neongelben Teleskop-Wanderstöcken dominieren sie ganz eindeutig das Stadtbild 😉 (keine Ahnung warum man diese Vollausstattung überhaupt braucht um ein paar Stunden durch die Natur zu laufen…?).

Es gibt in Oberstdorf auch ein paar nette Boutiquen, die Preise sind allerdings recht knackig. Auch in den Restaurants wird nicht geknausert. Gutbürgerlich, bayrisch herrscht vor. Nach 3 Tagen deftigem Essen sind wir in eine Pizzeria geflüchtet.

Essen: Empfehlen kann ich das Jagdhaus, die Pizzeria Il Tartufo und das Maximilians, in dem wir uns ein Sternemenü gegönnt habe. Das war wirklich ein Erlebnis und seinen Preis wert (siehe Fotos weiter unten)!

Party: Highlight war auch noch ein Abend in der Dampfbierbrauerei, DER legendären Party Location Oberstdorfs. Zugegeben: Die Stimmung war super. Alle Apres-Ski Hits konnte der Mann am Keyboard runterrasseln, der Kellner hat Robby Williams gesungen und der Markus aus Solingen hat der Anke aus Köln mit den Löffeln den Beat auf dem Oberschenkel mitgeklopft 😉 Auch wenn es ein lustiger Abend war (Hölle, Hölle, Hölle….), so ganz warm wurden wir mit den Kegelvereinen nicht.

Fazit

Das Allgäu ist ein Traum! Ich kann wirklich jedem ans Herz legen hier einmal im Sommer herzukommen und ein wenig durch die Bergwelt zu wandern. Die saftigen Wiesen, die bilderbuchreifen Kühe auf der Alm, die mal kargen, mal grasbewucherten Gipfel, die reine Luft – herrlich! Das ist einfach nur eine Reise wert und tut der Städter-Seele gut!  Ob man wirklich ein Hotel in Oberstdorf braucht (noch dazu mit Baustelle vor der Tür) oder ob es auch eine Ferienwohnung ein bisschen fernab vom Touritrubel tut, muss jeder selber entscheiden.

Ich bin ab sofort bekennender Allgäu-Fan und nächstes Mal miete ich mir ’ne Hütte auf ’nem Berg fernab von jeglichen Wegen, die von Profi-Wander-Senioren beschritten werden können! Meine Mama nehm ich wieder mit 🙂

Lies auch zu meinen Erlebnissen in den anderen Teilen der Welt, wie z.B. die Highlights meiner Weltreise oder auch die schönsten Strände weltweit.

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