Ende der Weltreise! Vorbei mit dem Spaß und zurück in den Alltag. Acht Reisende berichten wie es sich anfühlt wieder nach Hause zu kommen und wie sie es geschafft haben, sich wieder in ein geregeltes Leben einzufügen – oder auch nicht… und sie verraten uns ihre besten Erlebnisse und Tipps gegen die Nach-Reise-Depression.

Eine Weltreise zu machen und mehrere Monaten den deutschen Alltag hinter sich lassen, das ist der Traum von sehr vielen. Und nicht wenige machen diesen Traum mittlerweile wahr. Seitdem ich selber vor fast 15 Monaten aufgebrochen bin in diese wunderschöne Welt, bin ich fast überrascht wieviele Weltreisende man unterwegs so trifft.

Aber leider ist diese schöne Zeit für die allermeisten dann eben doch auch irgendwann wieder vorbei. Erspartes reicht für ein paar Monate oder, wenn man Glück hat, auch ein paar Jahre. Aber fast für alle Weltreisenden geht es irgendwann wieder nach Hause. Ins mehr oder weniger kalte Deutschland. Und die harte Realität hat einen zurück. Bzw. schlicht: Der Alltag. Die meisten Reisenden realisieren unterwegs, dass es uns in Deutschland, verglichen mit anderen Teilen der Welt, eigentlich gar nicht so schlecht geht. Trotzdem kämpfen viele sehr mit bzw. nach ihrer Rückkehr. Die Spannung, der Spaß, das ständig Neue ist plötzlich weg und statt dessen ist das Konto leer, man muss vielleicht sogar wieder bei den Eltern einziehen, sich einen Job suchen, den man im Zweifel nicht wirklich mag, aber der Geld bringt und am schlimmsten: das Umfeld versteht einen nicht mehr wirklich. Man ist fremd im eigenen Land. Reverse Cultureshock nennt sich das. Umgekehrter Kulturschock. Keine einfache Situation.

Am liebsten würde man gleich wieder weg. Oder wenigstens die nächste Reise planen. Aber ist dann nicht wie eine Flucht? Vielleicht hilft Auswandern? Oder soll man sich durchbeissen und wieder Fuß fassen im deutschen Alltag? Ist man denn noch glücklich im alten Job? Oder muss was Neues her? Nur was? Und wie? Und wie vermeidet man denn dieses Loch, wenn man nach einer langen Reise heimkommt? Oder lässt es sich gar nicht vermeiden? 

Ich bin selber vor ein paar Tagen (vorerst und zum zweiten Mal) von meiner langen Reise zurückgekommen. Und diesmal voller Vorfreude auf ein Leben, was ich mir ab jetzt selber gestalten möchte. Ich habe soviel Inspiration gesammelt und vor allem diesen süßen Duft der Freiheit geschnuppert, dass ich viel Zeit damit verbracht habe, mir zu überlegen wie ich eigentlich wirklich leben möchte. Und das in der nächsten Zeit auch Schritt für Schritt umzusetzen. Aber ich stehe noch ganz am Anfang meiner „Rückkehr“ und wollte mir andere Meinungen und Erfahrungen einholen.

Deshalb habe ich acht Langzeitreisende gefragt wie es ihnen ergangen ist in den Wochen und Monaten nach der Rückkehr. Wie und ob sie ihr Leben geändert haben, ob sie es nochmal machen würden und was vielleicht anders… Und vor allem auch welche Tipps sie parat haben für alle Heimkehrer. Annika, Mona, Alex, Ben, Christian, Heike, Anna und Markus erzählen von ihren Erlebnissen, Gefühlen und großen Entscheidungen nach der Rückkehr. Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt und den Mut hattet über eure Erfahrungen zu sprechen und so all denjenigen zu helfen, denen die Rückkehr noch bevorsteht oder die bereits in der Nach-der-Reise-Depression stecken.

Lest selbst, was die acht zu erzählen haben! 


Annika, 36, aus München, reiste alleine

Top-Tipp: Auf gar keinen Fall im November ins kalte & dunkle Deutschland zurückkommen!

Annika, wie lange warst du auf Reisen? Ich war 8 Monate unterwegs. 

Was war das absolut Beste der Weltreise? Festzustellen, wie viel Schönheit es auf der Welt gibt. Und damit meine ich nicht nur die Landschaft, sondern auch die Menschen. Es gibt so viele herzensgute, starke, inspirierende Menschen auf dieser Welt, von denen mich viele sehr beeindruckt haben. 

Hattest du vorher gekündigt oder bist du in den alten Job zurück – und warum? Hast du dir unterwegs schon überlegt, was du danach machen möchtest?  Ich wurde gekündigt und bin daher natürlich nicht wieder in diesen Job zurück 😉 Unterwegs habe ich mir ziemlich viele Gedanken gemacht, was ich danach machen könnte, bin aber zu keinem Schluss gekommen. Wieder zurück habe ich einfach den nächstbesten Job angenommen, der sich leider als Griff ins Klo erwies. Ich habe dann nochmal gewechselt in einen Job, der besser zu mir passte. Insgesamt habe ich mich in meinem alten Umfeld aber nie mehr komplett wohl gefühlt. Jetzt 1,5 Jahre nach meiner Rückkehr bereite ich meinen (zumindest temporären) Ausstieg aus Deutschland vor und werde zukünftig als Reiseleiterin arbeiten. 

Gab es Aha-Momente unterwegs? Ich dachte vorher immer, dass ich zum Glücklichsein viele materielle Dinge brauche. Während meiner Reise habe ich auf einmal gemerkt, dass es die kleinsten Dinge sind, die glücklich machen. Zum Beispiel eine heiße Dusche nach einem mehrtägigen Trek. 

Wie waren die ersten Monate nach der Rückkehr dann für dich? Schrecklich. Ich war komplett unvorbereitet darauf, dass es mir so schwer fallen würde, wieder nach Hause zu kommen. Ich liebe meine Stadt und mein Umfeld eigentlich über alles, aber auf einmal hatte ich das Gefühl, dass ich überhaupt nicht mehr rein passe. Ich war mehrfach kurz davor, Hals über Kopf alles hin zu schmeißen und ohne Plan wieder los zu ziehen. Geholfen hat mir meine Familie, meine Freunde, viel Sport zu machen und Zeit draußen in der Natur zu verbringen.  

Was hat sich alles geändert in deinem Leben durch die Reise? Positiv, aber auch negativ? In meinem Leben hat sich einiges geändert. Ich bin bescheidener geworden und meine Prioritäten haben sich verschoben. Ich achte seither sehr auf Nachhaltigkeit, bin vegan geworden und verzichte z.B. auf Produkte mit Palmöl. Ich habe zudem meinen Konsum, was z.B. Klamotten betrifft, fast komplett eingestellt und kaufe nur noch was ich wirklich brauche. 

Würdest du es nochmal tun? Ich würde es immer und immer wieder tun 🙂

Was würdest du anders machen?  Ich würde versuchen, länger und langsamer zu reisen. Meine schönsten Erinnerungen habe ich an die Länder, in denen ich viel Zeit verbracht habe und somit die Möglichkeit hatte, die Kultur und die Menschen richtig kennen zu lernen. Und: auf gar keinen Fall wieder im November zurück nach Deutschland kommen!! Die Kälte und Dunkelheit haben meiner Post-Reise-Depression noch den Rest gegeben. 

Welche Tipps würdest du Weltreise-Neulingen für eine gelungene Rückkehr bzw. ein zufriedenes und vielleicht sogar glücklicheres Leben nach der Weltreise geben? Da mir das selbst ja leider nicht so richtig gelungen ist, habe ich hier leider nicht den ultimativen Tipp. Ich denke es ist gut, wenn man für danach schon einen Plan oder ein Ziel hat, das aber auch der Veränderung entsprechen sollte, die man auf so einer Reise zwangsläufig erlebt.


Mona, 44, aus München (zu Mona’s Blog)

Top-Tipp: Zuerst ist es wichtig sich überhaupt mal auf den Weg zu machen! Der Rest kommt von selbst.

Wann und wie lange warst du auf Reisen? Ich war gar nicht so lange weg „am Stück“, meine Reisen haben in 2015 angefangen. 2017 gab es einen Sabbatical. 2018 habe ich alles wieder zusammengekratzt, was ich an Tagen frei bekommen konnte und bin wieder unterwegs gewesen. Ich bin eher eine „Serienreisende“ gewesen…und auch nicht so weit. Mich hat Nordeuropa sehr gepackt und habe einiges an Zeit in Norwegen verbracht. Ich hatte unterschiedliche Reisepartner und –Partnerinnen. Teilweise mein Lebenspartner. Ein großes Stück bin ich aber auch alleine unterwegs gewesen. 

Was war das absolut Beste der Weltreise? Ich könnte viel erzählen, über was ich gesehen und getan habe. Zum Beispiel die Mitternachtssonne… (Blogbeitrag hier). Aber das absolut beste und einzigartige war ein Gefühl der Freiheit. Und der Schönheit. Es gab sicher auch Regentage (gar nicht wenige in Nordeuropa), und weniger schöne Ecken, aber das ist Nebensache. 

Hattest du vorher gekündigt oder bist du in den alten Job zurück – und warum?  Ich hatte vorher nicht vor, zu kündigen. Mein Job war gut, hat Spaß gemacht (auch wenn in den letzten 2-3 Jahren die Luft ein wenig raus war). Arbeitsklima gut, Chefs voll OK, Bezahlung nicht schlecht. Und alles für einen guten Zweck (eine Kinderhilfsorganisation). 

Gab es Aha-Momente unterwegs? Ja, es gab einige, und genau der Moment, der ich auf die „über mich“ Seite beschreibe. An einem schönen Tag saß ich auf einer Bank an einem der wunderschönsten Orte, die ich je gesehen habe. Es ist ein Ort ohne Straßen, den man nur zu Fuß oder zu Wasser erreichen kann, mitten in den atemberaubenden Lysefjorden im Süden Norwegens. Ich schaute Richtung Fjell zu einem schmalen Wasserfall und spürte förmlich, wie mir schwer ums Herz wurde: ich wollte nicht weg. An diesem Ort (oder ähnlichen) wollte ich sein. Oder anders beschrieben: Why TF soll ich mein Leben in einem Büro vor einem Bildschirm verbringen, die Tage zwischen zwei Urlaube zählen, wenn solche Orte gibt? Nenn es Midlife Krise, aber das war echt der Moment. 

Wie waren die ersten Monate nach der Rückkehr dann für dich? Was hat sich alles geändert in deinem Leben durch die Reise? Positiv, aber auch negativ? Ich habe tatsächlich versucht, wieder in meinem Leben zurück zu finden. Mir ging es aber nicht gut. Habe oft geweint, wenn mich jemand auf die Reise angesprochen hat. War abgemagert. Hatte regelrecht ein Gefühl wie Liebeskummer. Positiv war eine große Energie, die ich daraus genommen habe. Ich habe innerhalb von wenigen Tagen beschlossen, mich beruflich mit Reisen zu beschäftigen. Und nachdem mein Chef kein großes Verständnis dafür gezeigt hat, habe ich einige Monate später gekündigt (an einem Dienstag im November) und am Freitag danach Gewerbe als Reiseveranstalterin angemeldet. Meine Reisen haben etwas mit meiner Geschichte zu tun. Ich biete zum Beispiel zusammen mit einer tollen Frau, 4500 km zu Fuß gegangen ist, begleitete Reisen auf dem Jakobsweg. Es geht um Reisen, aus denen man was lernt, über sich um die Welt. Es geht darum, sich mutig auf dem Weg zu machen…

Würdest du es nochmal tun? Was würdest du anders machen? Ich würde es nochmals tun. Ich hätte es auch vor 5 Jahren machen sollen, aber besser später als nie 😉

Welche Tipps würdest du Weltreise-Neulingen für eine gelungene Rückkehr bzw. ein zufriedenes und vielleicht sogar glücklicheres Leben nach der Weltreise geben? Zuerst ist es wichtig, sich einfach auf dem Weg zu machen. Der Rest kommt von selbst. Vielleicht lernt man zu schätzen, was man zu Hause hat, oder stellt fest, dass etwas geändert werden muss. In diesem Fall ist wichtig, dies einfach zu machen. Egal, wer was sagt.


Alexandra, fast 30, Deutschland, alleine gereist (zu Alex‘ Website)

Top-Tipp: Sich genau überlegen wie man weiterleben will und dann mit der Entscheidung leben ohne wehmütig zu sein.

Alexandra, wann und wie lange warst du auf Reisen? Ich war schon sehr früh alleine in der Welt unterwegs, erst ein Jahr Work & Travel in Australien und Bali, dann 9 Monate in Kanada und vor 3 Jahren dann nochmal in Südamerika für sieben Monate. Meine letzte große Reise führte mich über den Atlantik nach Brasilien.

Was war das absolut Beste der Weltreise? 1. Zu sehen, dass man so leben kann wie man möchte und nicht nur dem folgen muss was die Gesellschaft einem vorgibt oder wie man aufgewachsen ist. 2. Die tollen Leute die ich kennenlernen durfte. 3. Dass ich mich selbst gut kennengelernt habe und persönlich gewachsen bin 4. Dass ich Spiritualität entdeckt habe und gelernt habe, dass man vertrauen kann und sollte und nicht immer das Gefühl haben muss alles kontrollieren zu müssen und das auch sehr gut so ist. 5. Dass es der Grundstein war für alles was danach kam 6. Das extreme Freiheitsgefühl.

Hattest du vorher gekündigt oder bist du in den alten Job zurück – und warum? Beim ersten Mal bin ich gerade aus der Schule raus, also hatte keinen festen Job. Das zweite Mal gerade mit der Uni fertig und hatte vorher nur Werkstudententätigkeiten. Das dritte Mal habe ich schon online Geld verdient. Bei Kanada war ich noch in der Uni.

Hast du dir unterwegs schon überlegt was du danach machen möchtest? Gab es Aha-Momente unterwegs? JA!!! In Australien habe ich mir immer überlegt was ich werden/studieren will. Ich habe einfach gemerkt, dass ich gern Menschen helfen würde deshalb wollte ich Psychologie studieren. Habe letztendlich Wirtschaftspsychologie mit Schwerpunkt Training/Coaching studiert, was eine tolle Entscheidung war und mir auch geholfen hat etwas Ortsunabhängiges aufzubauen. Beim dritten Mal (nach der Uni) hat es meine Entscheidung bestärkt mir Online etwas aufzubauen und natürlich meine Motivation erhöht und mein Wissen erweitert (auch sehr geholfen hat die Nomad Cruise).

Wie waren die ersten Monate nach der Rückkehr dann für dich? Das erste Mal ganz, ganz, ganz schlimm. Ich habe glaub ich fast 1 Jahr gebraucht bis ich mich wieder erholt habe…. Mittlerweile habe ich immer einen Plan für die nächste Reise bzw. mein ortsunabhängiges Business voranzutreiben und bin sehr gut mit anderen Langzeitreisen verbunden was es sehr viel einfacher macht. Und ich bin natürlich auch etwas älter und kann auch deshalb besser damit umgehen weil ich die Zufriedenheit in mir selbst finde, dennoch ist Umfeld wichtig. Reisen ist immer super um sowohl im Moment zu leben als auch für Reflexion und Inspiration/Pläne für danach zu schmieden.

Was hat sich alles geändert in deinem Leben durch die Reise? Positiv, aber auch negativ? Vor allem positiv: Grundstein für die Zukunft anders gelegt. Gesehen, dass man auch ohne viel Geld glücklich sein kann, dass Glück sowieso im Inneren ist, aber dass solche Erfahrungen enorm helfen sich selbst näher zu kommen und mit Spiritualität in Berührung zu kommen. Ich habe bleibende, tiefe Freundschaften durch meine Reisen gemacht und allgemein tolle Bekanntschaften aus denen sich viel ergeben hat. Negativ: Wenig Bezug zu alten Freunden (was aber einfach ein Zeichen von Entwicklung ist, das Negative daran ist: Umstellung, Loslassen). Manchmal ist es anstrengend sich neu zu orientieren. Man passt nicht mehr in das Schema, man kann gar nicht mehr weitermachen wie vorher aber auch das finde ich eigentlich nicht negativ.

Würdest du es nochmal tun? Was würdest du anders machen? Auf jeden Fall. Vielleicht etwas mehr Geld vorher sparen, damit man nicht so drauf schauen muss. So wenig wie möglich planen und lieber mit dem Flow gehen. Sich keine Sorgen machen.

Welche Tipps würdest du Weltreise-Neulingen für eine gelungene Rückkehr bzw. ein zufriedenes und vielleicht sogar glücklicheres Leben nach der Weltreise geben? Nicht im Winter zurückkommen!!!!!!!!! Mit den Leuten von der Reise in Kontakt bleiben. Sich Gleichgesinnte suchen wo man nach der Rückkehr wohnt. Versuchen die Positivität in die Welt zu tragen. Seine Erfahrungen aufschreiben. Allgemein die Dinge aufschreiben die man erlebt hat und wieder durchlesen wenn man zu Hause ist. Sich genau überlegen wie man weiterleben will und dann mit der Entscheidung leben ohne wehmütig zu sein oder sie wieder zu ändern wenn man merkt dass es doch nicht mehr passt 🙂

Alex findest du auch auf Instagram.


Christian, 38, aus dem Rheinland, reiste zusammen mit seiner Verlobten (zu Christians‘ Blog)

Top-Tipp: Gebt Euch Zeit. Lasst das erlebte setzen und erwartet nicht, dass jeder in Eurem Umfeld versteht, was Ihr getan und erlebt habt. 

Wie lange wart ihr auf Reisen? Wir waren insgesamt 1 Jahr unterwegs, von Juni 2017 bis Juni 2018. Davon haben wir ein halbes Jahr in Vancouver gelebt und auch ein wenig gearbeitet mit einem Working holiday Visum. Von dort aus sind wir Anfang Januar 2018 auf eine Weltreise mit Stopps in insgesamt 12 Ländern aufgebrochen.

Was war das absolut Beste der Weltreise? Die Erfahrungen teilen zu können und mit dem Menschen unterwegs gewesen zu sein, der mir so viel bedeutet. Gemeinsam diese Freiheit zu genießen, Zeit für uns zu haben. Das war das wichtigste, natürlich neben all den Dingen, die man sieht, erfährt, erlebt. Davon gibt es zu viele, wenn man so viel unterwegs ist, das lässt sich nicht auf eine Sache reduzieren.

Hattest du vorher gekündigt oder bist du in den alten Job zurück – und warum? Ich selbst habe ein Sabbatjahr in Anspruch genommen, das bot mir zumindest die Sicherheit, nach der Auszeit zunächst mal wieder einen Job zu haben. Außerdem mag ich meinen Job, daher ging es nicht darum, zwingend zu kündigen. Regina hingegen hatte gekündigt, denn Ihr Unternehmen bot die Möglichkeit eines Sabbatjahres nicht an.

Hast du dir unterwegs schon überlegt was du danach machen möchtest? Gab es Aha-Momente unterwegs? Da ich ja davon ausging, meine Tätigkeit nach der Heimkehr wieder anzugehen, war das Sabbatjahr in der Form weniger einer Neuorientierung geschuldet. Vielmehr musste ich mir klar werden, ob die Tätigkeit als solche in dem Rahmen des Unternehmens noch das richtige für mich ist. Diese Gedanken habe ich mir in der Zwischenzeit in jedem Fall gemacht. Der Aha-Moment wurde dann ein wenig von der Nachricht des Vorgesetzten-Wechsels während meiner Abwesenheit eingeläutet. Dabei zeichnete sich ab, dass meine Position als solche obsolet geworden war und ich mich zumindest innerhalb des Unternehmens neu bemühen musste. Das fing ungefähr drei Monate vor der geplanten Heimreise an. Meine Verlobte hingegen hatte wenig Probleme mit der Jobsuche. Ihr Berufsbild als Mathematikerin ist stark gefragt, fast könnte man sagen, die Unternehmen bewerben sich eher bei Ihr, als umgekehrt. So gesehen verging nur ein guter Monat, bis Sie ihre neue Position angehen konnte.

Wie waren die ersten Monate nach der Rückkehr dann für dich? Mit einem Wort: beschissen. Man kann es leider nicht anders sagen, aber ich habe mich von meinem ehemaligen Team, meinem Arbeitgeber und der ganzen Situation in einer Form allein gelassen gefühlt wie selten zuvor in meinem Leben. Ich hing in der Luft. Mein Job war trotz vertraglicher Zusicherung weg, der Aufhebungsvertrag mit einer eher als Witz anzusehenden Abfindung lag bereits bei mir zu Haus. Die Personalabteilung hatte nicht wirklich eine Lösung, und eine erfüllende Aufgabe bekam ich in der Zeit nicht. Ich musste mich selbst bemühen, nach Auswegen suchen, und immer am Ball bleiben. Das fällt extrem schwer, wenn man gerade wieder an einem Ort gelandet ist, der so ganz anders ist als das, was man unterwegs erlebt hat. Verstärkend kommt hinzu, dass wir beide das Gefühl hatten, auch von Freunden und teilweise der Familie nicht verstanden zu werden. Leute, die eine solche Reise oder das Leben im Ausland noch nicht hatten, verstehen in meinen Augen weder die Hintergründe, noch die Sorgen und Nöte, wenn man nach Hause kommt. Da kann ich auch niemandem einen Vorwurf machen, aber Aussagen wie „Du musst doch super erholt sein nach 6 Monaten Urlaub“ helfen einem da kaum weiter, und zum hundertsten mal möchte man die Frage, wo genau es jetzt am schönsten war, auch nicht beantworten. Als dann Regina in Ihrem neuen Job als Consultant anfing und 4 Tage die Woche unterwegs war – und zwar jede Woche – hatte ich meinen Tiefpunkt erreicht. Einen, an dem mein Körper mir auch schon gesagt hat, dass ich hier arg auf der Kippe zur Depression stehe… 

Das hat dann mehrere Monate gedauert. Zwar konnte ich im alten Unternehmen einen neuen Job finden, doch mussten wir dafür natürlich umziehen. Die alte Wohnung in München hatten wir nicht mehr, da hat uns der Vermieter 8 Wochen vor Abreise auf Grund Eigenbedarfs rausgeschmissen. Ein neuer gemeinsamer Wohnort musste beides vereinen: einen Fernbahnhof oder Flughafen für Regina und die Möglichkeit für mich, so nah als möglich an den neuen Dienstsitz zu kommen. Dennoch sind das für mich 80km – one way. Drei Tage pro Woche pendele ich seit Oktober jeweils 160km, die anderen beiden bin ich im Home Office.

Es brauchte bis nach Weihnachten, um für mich einen neuen Weg festzulegen, zu realisieren, dass in dieser Stadt, wo ich niemanden kenne, keine Zukunft für mich und uns herrscht. Und das mich die neue Aufgabe im Job auf Dauer nicht glücklich macht. Ende Januar kam die erlösende Nachricht, dass ich einen ganz neuen Job angehen kann. In einem neuen Unternehmen, wieder zurück in München. Und auf dem Weg in diesen neuen Abschnitt befinden wir uns gerade…

Was hat sich alles geändert in deinem Leben durch die Reise? Positiv, aber auch negativ? Ich sehe die Welt noch einmal mit anderen Augen als nach meinem ersten Auslandsaufenthalt. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass wieder fast 10 Jahre seit dem vergangen sind, aber die letzte Reise hat mir und auch uns beiden ein wenig aufgezeigt, was im Leben wichtig ist. Das mag recht platt erscheinen als Aussage, aber wir haben beschlossen, Dinge zu tun, die wir tun wollen. Darauf hin zu arbeiten, und Wünsche bewusst anzugehen. Wir genießen einmal mehr, was wir hier in Deutschland und unserer Heimat haben: ein Zuhause. Was viele nicht haben, die wir unterwegs kennen lernten. Ich denke, um es zusammen zu fassen, könnte man sagen, dass man einfach eine Spur „bewusster“ lebt, wenn man zurückkehrt. Zumindest geht uns das so.

Würdest du es nochmal tun? Was würdest du anders machen? Keine Frage: jederzeit. Und jederzeit genau so. Es war die richtige Entscheidung, die richtige Art zu reisen, und wir bereuen keine Minute und keinen Cent, den wir in dieses Abenteuer investiert haben. Ich wusste durch einen 18monatigen Aufenthalt in Australien vor 10 Jahr ungefähr, wie das werden kann, und dennoch wurden dieses mal all meine Erwartungen übertroffen – wohl auch, weil ich mit der richtigen Person an meiner Seite unterwegs war

Welche Tipps würdest du Weltreise-Neulingen für eine gelungene Rückkehr bzw. ein zufriedenes und vielleicht sogar glücklicheres Leben nach der Weltreise geben? Das ist schwer zu sagen, denn jeder hat ja einen ganz persönlichen Grund, warum er oder sie diese Weltreise angegangen ist, egal wie lange Sie dauert. Vielleicht finden auch manche auf einer Reise heraus, dass es genau nicht das richtige für sie ist. Demnach ist es schwer, da einen Tipp zu geben. Was aber meines Erachtens wirklich wichtig ist: gebt Euch Zeit. Lasst das erlebte Setzen und erwartet nicht, dass jeder in Eurem Umfeld versteht, was Ihr getan und erlebt habt. Sucht den Austausch, es gibt unzählige Reisegruppen und Treffen, auch im realen Leben. Und da tut es mir zumindest immer gut, mit Gleichgesinnten über Reisen zu diskutieren. Das hilft, eben nicht abzurutschen oder in die Verzweiflung zu geraten. Und ganz ehrlich: entscheidet für Euch! Ihr habt nur ein Leben, und wenn der Status Quo nicht zufriedenstellend ist, solltet Ihr beginnen, ihn zu ändern. Aber auch das braucht Zeit. Rom wurde nicht in einem Tag erbaut, und ein verändertes Leben wird sich auch nicht über Nacht realisieren lassen. Also Geduld, lasst alles auf Euch zukommen


Heike, 28, aus der Nähe vom Chiemsee, reiste mit ihrem Freund

Top-Tipp: Um ein glücklicheres Leben danach zu führen, würde ich mir immer wieder die Lebensumstände in anderen Ländern ins Gedächtnis rufen und mich daran erinnern, wie gut es uns geht und dass wir glücklich sein können, solange wir gesund sind.

Wann und wie lange warst du auf Reisen? 10 Monate in 2018/2019, sieben davon in Südamerika (Ecuador, Peru, Bolivien, Chile, Argentinien) und 3 Monate Neuseeland mit einem gemieteten Camper.

Was war das absolut Beste der Weltreise?  Das absolut Beste an der Weltreise waren die tollen Menschen, die wir kennengelernt haben und die zum Teil richtige Freunde von uns geworden sind.
Da gab es das irische Pärchen, das wir zufällig in einem Taxi in Ecuador kennengelernt hatten und mit denen wir uns immer wieder getroffen haben, da sie auch südwärts gereist sind. Oder auch die Familie, die wir zufällig auf Galapagos kennengelernt hatten und die uns dann Monate später für ein Wochenende zu sich nach Hause in die Nähe von Valparaiso in Chile eingeladen haben. Die absolute Gastfreundschaft war eines der tollsten Erlebnisse 

Hattest du vorher gekündigt oder bist du in den alten Job zurück – und warum? Ich hab meinen alten Job gekündigt, da ich im gleichen Unternehmen meine Ausbildung gemacht habe und danach dort noch über 5 Jahre beschäftigt war und es nach so langer Zeit Zeit für einen Wechsel/Kündigung war. 

Hast du dir unterwegs schon überlegt was du danach machen möchtest? Es stand/steht fest, dass ich danach zu meinem Freund ziehe und mir dort einen neuen Job suche und daher bin ich seit der Rückkehr vor 3 Wochen fleißig auf Jobsuche. Aber von unterwegs habe ich mir nur ab Februar einige Stellenanzeigen durchgelesen und bis dahin die Monate ohne den Gedanken an das Danach genossen. 

Gab es Aha-Momente unterwegs? Aha-Momente gab es wirklich nur im positiven Sinne durch die tolle Gastfreundschaft der Südamerikaner. Das würde Touristen in Deutschand nicht passieren, da wir Deutschen dafür leider zu verschlossen sind. 

Wie waren die ersten Monate nach der Rückkehr dann für dich? Die erste Woche war wirklich schön, weil man alle Freunde und die Familie wieder gesehen hat und wirklich beschäftigt war. Seit 2 Wochen ist es allerdings etwas komisch, da ich noch auf Jobsuche bin und ich versuche, dass ich jeden Tag etwas Sinnvolles mache. Auch dadurch, dass ich erst im Laufe der nächsten Wochen zu meinem Freund ziehe und erstmal übergangsweise bei meiner Mama wohne (davor habe ich meine Wohnung für die Reise gekündigt), fühlt man sich momentan noch etwas heimatlos. 

Auf der Weltreise hat man jeden Tag etwas Neues gesehen oder erlebt und hier ist man auf einmal wieder im Alltag, woran man sich wieder gewöhnen muss. 

Was hat sich alles geändert in deinem Leben durch die Reise? Positiv, aber auch negativ? Aufgrund der Reise habe ich meinen alten Job und meine Wohnung gekündigt, was vor allem jetzt, kurz nach der Rückkehr, eine extreme Umstellung und eine komische Situation ist.
Alle Freunde, die vor der Reise da waren, gibt es jetzt immernoch und während der Reise hat man gemerkt, wie stark Freundschaften auch so eine Distanz aushalten. Und ich würde behaupten, dass die Selbstsicherheit durch eine lange Reise sehr gestärkt wird, da man weiß, dass man alles irgendwie lösen kann und sich nicht mehr durch Kleinigkeiten aus der Ruhe bringen lässt. 

Würdest du es nochmal tun? Auf jeden Fall! Jeder, der beruflich und finanziell in der Lage ist, zu kündigen und sich so eine Reise zu finanzieren, sollte es machen. Es ist das Ausbrechen aus der Komfortzone, in der man leider so schnell festwächst. Und die Erlebnisse, sowohl positiv als auch negativ, prägen den Reisenden für ́s Leben und sind wertvolle Erfahrungen. 

Was würdest du anders machen? Ich würde nicht mehr für 10 Monate reisen, da es ein zu langer Zeitraum ist. Wir waren 7 Monate in Südamerika und würden im Endeffekt beim nächsten Mal den Zeitraum in Südamerika auf 5 Monate verkürzen und die gleichen Länder sehen, die wir gemacht haben. Neuseeland mit 3 Monaten über die Sommermonate war perfekt! Beim nächsten Mal würden wir uns aber für einen so langen Zeitraum einen Camper kaufen, statt zu mieten. 

Welche Tipps würdest du Weltreise-Neulingen für eine gelungene Rückkehr bzw. ein zufriedenes und vielleicht sogar glücklicheres Leben nach der Weltreise geben? Ich würde ihnen raten, erst einmal zu Hause anzukommen und alles auf sich wirken zu lassen und wieder in das „normale“ Leben hineinzufinden. Jeder hat dabei sein eigenes Tempo.
Man darf sich auch nicht unter Druck setzen bzgl. der Jobsuche. Es ist verständlich, dass Absagen kommen, aber irgendwann ist das Passende dabei. Wenn man nach der Reise arbeitslos ist, dann würde ich die Zeit zum Entspannen nutzen, Bewerbungen schreiben, Familie und Freunde treffen und auch mal zum Allein-Sein. Und um ein glücklicheres Leben danach zu führen, würde ich mir immer wieder die Lebensumstände in anderen Ländern ins Gedächtnis rufen und mich daran erinnern, wie gut es uns geht und dass wir glücklich sein können, solange wir gesund sind. 


Anna, 27 Jahre, aus Baden-Württemberg, alleine gereist (zum Blog)

Top-Tipp: Mein Tipp für eine gelungene Rückkehr ist, auf seine innere Stimme zu hören, grenzenlos zu denken und sich das Träumen zu erlauben. 

Wann und wie lange warst du auf Reisen? Ich war 10 Monate auf Weltreise. Gestartet bin ich am 10.10.2017 und zurück kam ich am 13.08.2018.

Was war das absolut Beste der Weltreise? Puhh…das ist schwer zu sagen. Zum einen die intensive Zeit mit mir selbst, die Freiheit und die Leichtigkeit. Wenn es das absolut beste Erlebnis anbelangt, war es die Night-Trekking-Tour auf den aktiven Vulkan Mount Batur in Bali. Mehr dazu hier. Alles in allem – ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so lebendig und frei gefühlt, wie auf meiner Weltreise. 

Hattest du vorher gekündigt oder bist du in den alten Job zurück – und warum? Als ich mit dem Gedanken spielte, auf Weltreise zu gehen, war mein erster Satz: „…aber ich gehe nur, wenn ich weiß, was ich danach machen werde!“. Das beschreibt auch ziemlich gut mein Planungs- und Sicherheitsdenken, das vor meiner Weltreise noch viel ausgeprägter war. Dennoch stand es für mich nie zur Debatte, meinen Job zu behalten oder nach einem Sabbatical Jahr zu fragen. Ich spürte damals zu sehr den Drang nach Veränderung in mir. Somit war klar, wenn ich auf Weltreise gehen werde, kündige ich definitiv meinen Job. Ob ich danach wieder in diesen Job zurückgehen werde oder nicht, das hielt ich mir offen. Als es dann in die detaillierte Planung ging, stellte ich auch sofort fest, dass ich jetzt zu Beginn meiner Weltreise überhaupt nicht wissen kann, wie es beruflich nach vielleicht einem Jahr für mich weitergehen wird und somit verabschiedete ich mich von meinem Gedanken „…aber ich gehe nur, wenn ich weiß, was ich danach machen werde…“ und kündigte, mit diesem Freiheits- und zugleich Ungewissheitsgefühl. 

Hast du dir unterwegs schon überlegt was du danach machen möchtest? Gab es Aha-Momente unterwegs? Interessante Frage und ja, es gab zwei Aha-Momente. Klar habe ich mir schon während meiner Reise überlegt, was ich danach machen möchte. Doch schon zu Beginn meiner Reise plagte mich ständig diese Frage. Dabei stand noch nicht einmal mein Rückflug fest und dennoch ließen mich die Zukunftsängste nicht los. Dadurch fiel es mir schwer, meine Reise in vollen Zügen zu genießen. Deshalb stellte ich mir die Frage, was der Sinn dieses Abenteuers für mich war und die Antwort war klar. Somit beschloss ich für mich, dass ich mich zu gegebener Zeit mit der Rückkehr befassen werde und mich ab sofort auf das Hier und Jetzt konzentrieren möchte, was mir zum Glück gelungen war. Den ersten Aha-Moment hatte ich dann im Frühjahr 2018, als ich in Argentinien – Buenos Aires auf einem kostenlosen Konzert war, das die Größe eines Festivalgeländes hatte. Der Aha-Moment war bei einem Auftritt von zwei unbekannten Sängerinnen, die mich mit ihrem Gesang zutiefst berührt hatten. Ich konnte richtig ihre Leidenschaft und die Freude spüren, die sie beim Singen auf der Bühne hatten. Hier wurde mir klar, es gibt für jeden Menschen etwas, das er von Herzen gerne macht, womit er richtig Spaß hat und dadurch nicht nur sich, sondern gleich mehrere Menschen glücklich machen kann. Denn wenn etwas von Herzen kommt, kann man das spüren und sich anstecken lassen. Dabei ist es ganz egal, ob es als Sängerin auf der Bühne, als Koch in einem Restaurant oder als Pflegepersonal im Altenheim ist. Jeder hat eine besondere Gabe, eine Leidenschaft, für die er brennt. Wenn er seine – ich nenne es mal Berufung – wirklich gefunden hat, Feuer und Flamme dafür ist, dann springt der Funke auch auf andere über und es sind mindestens zwei Personen glücklich, wenn nicht sogar mehr. Was gibt es Schöneres?

Der zweite Aha-Moment war in Brasilien – Rio de Janeiro, als ich mitten durch die größte Favela (Armenviertel) von Lateinamerika gelaufen bin. An der einen Ecke wurden Drogen verkauft, während zeitgleich Kinder von der Schule allein durch die schmalen, dunklen Gassen der Favela nach Hause liefen. An der anderen Ecke musizierten Teenager. Sie bastelten sich Trommeln aus alten Eimern. Während die Teenager sangen, tanzte die jüngere Generation im Takt dazu. Dies war einer der Gänsehautmomente meiner Reise und als unser Guide von sozialen Projekten in den Favelas erzählte, wurde mir klar, dass ich eines Tages in meinem Leben ein freiwilliges Projekt im Ausland unterstützen möchte.

Wie waren die ersten Monate nach der Rückkehr dann für dich?  Ich hörte und las viel darüber, dass die Rückkehr nach einem langen Auslandsaufenthalt nicht das Schönste am Reisen sei. Das musste auch ich sehr schnell feststellen. Es ist wie eine Wand, gegen die man läuft und nicht weiterkommt. Es ist der Moment, wo man plötzlich realisiert, wie sehr man sich doch verändert hat, was einem selbst auf Reisen gar nicht so sehr auffiel. Es ist der Moment, wo man plötzlich wieder in den alten Fußstapfen steht und merkt, diese Schuhe passen nicht mehr zu einem.

Es war sehr schön, in den ersten Wochen seine Familie und Freunde wieder zu treffen – klar, nach so einer langen Zeit allein auf Reisen freut man sich natürlich, wieder enge Freunde um sich herum zu haben – keine Frage. Doch nach der ersten Euphorie folgte schon das erste Tief. Die immer wechselnde Umgebung, das fast tägliche Sightseeing, etwas Neues zu entdecken und erkunden fehlte mir recht schnell. Außerdem hatte ich nicht den Alltag, den alle um mich herum lebten. 

Ich hatte mir fest vorgenommen, mich nicht hetzen zu lassen, mit der Frage: „…und was machst du jetzt?“. Ich hatte mir vorgenommen, mir die Zeit zu geben, die ich brauche, um meinen Weg zu finden. Ich habe auf Reisen gelernt, wieder meine innere Stimme zu hören. Ich habe gelernt, dieser Stimme zu folgen und mich dadurch lebendig zu fühlen. Dieser inneren Stimme möchte ich auch weiterhin folgen. So vertraute ich auch nach der Rückkehr darauf, dass sich ein Weg ergeben wird, der sich richtig für mich anfühlt. Doch umso fokussierter ich darauf war, wie es für mich weitergehen wird, desto weniger hat sich irgendetwas ergeben. Das frustrierte mich oft. Eines Tages zurück in Deutschland, musste ich an die Aha-Momente meiner Reise denken. Ich habe mich am Anfang querbeet beworben, weil ich einfach noch nicht wusste, was ich nun machen möchte. Angefangen bei meinem alten Job auf unbefristete und befristete Stellen, bei der Post für Schichtarbeit, bei einer Bar als Küchenkrafthilfe, beim Bäcker und bei weltwärts für einen freiwilligen Dienst im Ausland, wo ich letztendlich auch genommen wurde. Somit erfüllt sich im August 2019 einer meiner Aha-Momente der Weltreise. 

Was hat sich alles geändert in deinem Leben durch die Reise? Positiv, aber auch negativ? Ich habe eine neue Sichtweise auf mein Leben bekommen. Ich setzte Dinge, die mir in den Sinn kommen viel schneller um, als sie auf „irgendwann“ aufzuschieben. Ich lebe nun viel bewusster und achtsamer. Eines der wichtigsten Veränderung für mich war, dass ich viel Zeit mit mir selbst hatte. Es war nicht immer einfach, aber die positive Veränderung, die ich dadurch durchleben durfte, veränderte sehr viel in mir. Ich habe wieder gelernt, auf meine innere Stimme zu hören und vor allem auch darauf vertrauen zu können. Meine Ansprüche an mein Leben sind sehr gestiegen. Das könnte für manche eine negative Veränderung darstellen – für mich fühlt es sich positiv und richtig an. Die positiven Veränderungen überwiegen somit definitiv. Mir wurde klar, dass ich nicht mehr ein Leben leben möchte, das ok für mich ist. Ich möchte ein Leben leben, das mir Spaß macht und das mich glücklich macht. Ich möchte meine Werte ausleben können und mich nicht ständig anpassen müssen. Ich möchte nicht mehr von einem Termin zum anderen hetzen. Ich möchte präsenter sein, ich möchte wirklich anwesend und aufmerksam meinem Gegenüber zuhören können und dabei nicht den Zeitdruck spüren müssen, weil ich für den nächsten Termin schon wieder zu spät dran bin. Ich lebe mehr im Hier und Jetzt. Ich genieße die Gegenwart und lasse mir mehr Raum für Spontanität. Ich habe auf Reisen gelernt, genügsamer und minimalistischer zu leben. Außerdem hat sich mein Konsumverhalten geändert. 

Würdest du es nochmal tun? Was würdest du anders machen?  Ohja – aber sowas von!!! Definitiv würde ich nochmals auf Weltreise gehen. 

Was würde ich anders machen? Hmm…ich habe meine Flüge beispielsweise in Deutschland gebucht und dadurch hatte ich wenig Spielraum. Ich wusste, ich habe z.B. einen Monat Zeit für Vietnam, zwei Monate in Australien und musste nach dieser Zeit eben am Abflughafen sein. Hier würde ich mir ein wenig mehr Spielraum für Umbuchungen lassen. Flüge im Voraus buchen würde ich vermutlich wieder, weil man einfach viel Geld spart und auf Reisen schon so viele Entscheidungen tagtäglich treffen muss, dass ich froh war, nicht auch noch die Länderwahl ständig neu entscheiden zu müssen. Hat beides seine Vor- und Nachteile. Ich denke, das ist auch viel Typ-Sache, ob man alleine reist oder mit jemand anderem – da gibt es kein richtig oder falsch. Was ich auch gelernt habe – man kann im Leben nie alles gesehen haben. Weniger ist oft mehr. 

Was ich noch anders machen würde? Meine Handtuchwahl treffe ich beim nächsten Mal anders :-D. Platzsparend, leicht und schnell trocknend – das Microfaserhandtuch. Wie ich das schon zu Beginn meiner Reise gehasst habe, nach dem Duschen immer halb nass in die Klamotten zu schlüpfen. Lieber ein kleineres, normales Handtuch anstatt ein Microfaserhandtuch.

Welche Tipps würdest du Weltreise-Neulingen für eine gelungene Rückkehr bzw. ein zufriedenes und vielleicht sogar glücklicheres Leben nach der Weltreise geben? Mein Tipp für eine gelungene Rückkehr ist, auf seine innere Stimme zu hören, grenzenlos zu denken und sich das Träumen zu erlauben. Sich aber dennoch, am Besten schon auf Reisen, klarwerden in welche Richtung der berufliche Weg gehen soll. Ansonsten fühlst du dich schnell überfordert und niedergeschlagen von der Vielfalt der unzähligen Möglichkeiten. Wenn es dir so gehen sollte wie mir, dass sich auf Reisen noch nichts Konkretes herauskristallisiert hat, suche nicht verkrampft weiter. Denn meiner Erfahrung nach, bringt dich das am wenigsten weiter. Ich bin davon überzeugt, dass alles zur richtigen Zeit in dein Leben treten wird und dass man das Vertrauen in sich nie verlieren darf, auch wenn es ab und zu aussichtslos scheinen mag. Werde dir deine Stärken bewusst, behalte deine positiven Eigenschaften bei, die du vielleicht auch durch das Reisen erst kennen gelernt hast. Anstatt tagelang zu recherchieren, was passend für dich sein könnte, gehe stattdessen einfach auf einen Berg und genieße den Sonnenuntergang – wer weiß, vielleicht brauchst du gerade das, um deine innere Stimme wieder hören zu können. Vertraue auf dich und das Leben!!


Markus, Ingolstadt und München, reiste gemeinsam mit seiner Partnerin  (zu Markus Weinhandlung)

Top-Tipp: Nehmt euch selbst und die anderen nicht immer so ernst und setzt euch neue, realistische Ziele.

Wann und wie lange ward ihr auf Reisen? 2012 – 2015, für insgesamt 3 Jahre.

Was war das absolut Beste der Weltreise? Das Beste auf der Weltreise waren die Begegnungen mit den Einheimischen und zu sehen, wie sich die Kultur langsam verändert. Wir sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Ingolstadt bis Thailand gereist. Der schleichende Übergang von einer Kultur zur anderen war schon sehr beeindruckend.

Hattest du vorher gekündigt oder bist du in den alten Job zurück – und warum? Wir haben zwei Jahre auf Saison in Österreich gearbeitet. Durch die langen Urlaubszeiten in der Zwischensaison sind wir auf den Geschmack vom Reisen gekommen. Deswegen haben wir dann gekündigt um noch länger reisen zu können.

Hast du dir unterwegs schon überlegt was du danach machen möchtest? Ja und Nein. Ja, wir haben uns immer Gedanken gemacht wie es weiter geht wenn das Visum ausläuft, aber einen Plan hatten wir nie. Wir waren ebenfalls in Australien auf Working Holiday. Gegen Ende des Working Holiday Visums hatten wir uns entschieden nach Neuseeland zu gehen. Hier war dann ebenfalls die Frage wie es danach weiter gehen soll. Weiterhin Working Holiday in Kanada, Chile, Japan? Es ging dann letztendlich wieder nach Deutschland zurück. Nein, wir hatten keinen Plan wie es weitergeht. Da wir aber in der Gastronomie eine Ausbildung gemacht haben, waren uns Jobs in Deutschland sicher. Daher hatten wir keine ernsthaften Überlegungen unternommen wie es weiter gehen soll. Wir wussten es wird weiter gehen.

Gab es Aha-Momente unterwegs? Aha-Momente gab es sehr viele, eigentlich waren die drei Jahre durchgehende Aha-Momente. Dazu gehört definitiv die Erfahrung von kulturellen und politischen Ereignissen (aha, so ist es also ohne Strom, ohne Wasser, ohne Krankenversicherung, ohne Einkommen, mit korrupten Politikern und Polizisten, ohne Zukunft, ohne Bildung). Das wurde mir auf der Reise erst so richtig bewusst, weil man eben Menschen kennengelernt hat, die diese Dinge täglich am eigenen Leib erfahren. Auch wenn man diese Dinge vorab schon „wusste“. Aber man stellt schnell fest, dass man eigentlich gar nichts weiß.

Wie waren die ersten Monate nach der Rückkehr dann für dich?  Ich habe bestimmt nochmal 3 Jahre gebraucht um hier wieder anzukommen. Es war wirklich schwer. Ich hatte den größten Kulturschock meines Lebens als ich in mein Heimatland zurück kam. Auf einmal kam mir alles total idiotisch vor, wie wir hier leben. Aber inzwischen weiß ich es zu schätzen und gleichzeitig finde ich es schade, dass wir als Bevölkerung es aber nicht verstehen was wir hier haben. Ich kann jederzeit zum Arzt und werde behandelt, ich kann die Polizei rufen wenn ich sie bräuchte, wir haben keine extremen Naturkatastrophen, ein gutes Sozialsystem uvm. Aber das sind eben die Dinge die man erst versteht wenn man es mal nicht hatte.

Was hat sich alles geändert in deinem Leben durch die Reise? Positiv, aber auch negativ? Positiv: Meine Denkweise und Urteilsbildung. Ich versuche bestimmte Dinge aus verschiedenen Sichtweisen und weitsichtig zu sehen bevor ich mir ein Urteil bilde und erlaube mir auch immer öfter kein Urteil zu fällen. Das kam von allein. Außerdem bin ich viel ruhiger und weiß, dass es auch nicht schneller oder besser geht wenn ich mich aufrege.

Negativ: Dass mir dieses kollektive Gejammer in unserer Gesellschaft oft die Lebensfreude nimmt, weil ich weiß, dass die meisten Menschen auf der Welt ein erfülltes Leben hätten, wenn es ihnen nur halb so gut gehen würde wie uns.

Würdest du es nochmal tun? Was würdest du anders machen? Definitiv! Und ich kann es nur jedem empfehlen. Ich würde nicht viel anders machen. Außer einfach nicht mehr zurück zukommen, wenn die Möglichkeit bestehen würde.

Welche Tipps würdest du Weltreise-Neulingen für eine gelungene Rückkehr bzw. ein zufriedenes und vielleicht sogar glücklicheres Leben nach der Weltreise geben? Kauft euch einen Reiseführer und lasst das Smartphone zuhause, das macht es spannender und ihr werdet nach eurer Rückkehr mehr Erinnerungen haben. Nehmt euch selbst und die anderen nicht immer so ernst und setzt euch neue, realistische Ziele. Die meisten Rückkehrer sind jung und haben die Möglichkeit solche Dinge immer und immer wieder zu machen, aber man muss geduldig bleiben und sich bewusst machen, dass man noch genug Zeit im Leben hat. Aber dazu gehört auch irgendwo ein festes Standbein. Ich habe nach meiner Rückkehr eine Online Weinhandlung für Neuseeländische Weine eröffnet (www.wein-munz.de). Das bringt den Vorteil, dass ich mit den Kiwis in direktem Kontakt stehen, meine Reiseerfahrung teilen kann und auch finanziell ein zusätzliches Polster für zukünftige Reisen haben.


Ben, 32, aus Hamburg, meist alleine gereist

Top-Tipp: Man muss es locker angehen.

Wann und wie lange warst du auf Reisen? 385 Tage

Was war das absolut Beste der Weltreise? Das Beste …… es gibt so vieles, aber für mich insgeheim die Herausforderung.

Hattest du vorher gekündigt oder bist du in den alten Job zurück – und warum? Alles gekündigt, Wohnung und Arbeit aufgegeben. Jobtechnisch war für mich aaaalles offen. Ich dachte mir vielleicht ergibt sich ein Job, eine Aufgabe während der Reise. Sonst schaue ich mich eben um wenn ich wieder in Europa oder Deutschland bin. Das Ende der Reise war dann auch das Ende meines Budgets.

Gab es Aha-Momente unterwegs? Meine Reise hat mich wirklich ans Ende meiner körperlichen Kräfte gebracht, noch ca. 13 Monate nach der Reise knabbere ich daran. Ich muss dazu sagen, dass ich Extremsportler bin und nie länger als eine Woche an einem Ort war sondern immer am trainieren, entdecken, wandern, klettern etc.

Wie waren die ersten Monate nach der Rückkehr dann für dich? Was hat sich alles geändert in deinem Leben durch die Reise? Positiv, aber auch negativ? Es war sehr komisch wieder zu Hause zu sein. 1. Erleichternd (endlich ausruhen und kein Stress mehr) 2. Frustrierend  (der Traum, das Abenteuer ist vollbracht). Nun stehst du ohne alles da, Jobsuche, Wohnen auf der Couch. Recht unglücklich. Dennoch wusste ich, ich will mich regenerieren.

Würdest du es nochmal tun? Was würdest du anders machen? Die ersten Monate sagte ich jedem, das mache ich nie wieder, nur kleine Reisen später. Nun kann ich mir eine zweite Weltreise vorstellen. Doch die muss dann anders aussehen, vor allem werde ich nicht jünger. So würde mein Körper das nicht nochmal mitmachen. Es gibt wieder unzählige Traumziele doch ich müsste es gelassener angehen. Vielleicht bräuchte ich dafür auch mehr Geld. Es ist wie mit dem studieren: man kann einfach nicht alles wissen, das muss man akzeptieren. Trotzdem schreibt man dann in der Klausur eine eins. So ist es auch beim Reisen. Man kann nicht alles sehen machen und trotzdem glücklich sein. Einige Zeit nach der Reise wurde mir klar: man ist verändert. Obwohl ich immer dachte mich verändert es nicht. Man kommt wirklich nicht einfach in ein normales Leben zurück, im Kopf ist man immer am Träumen und zweifelt am Alltag. Obwohl karrieretechnisch alles läuft, wie man sich es wünschen könnte. Was das angeht bin ich ein Lebenslauf-Glücksmann. Die Frage, die sich dabei stellt: Will ich das wirklich, oder wollte ich insgeheim die Cocktailbar oder Tauchschule im nirgendwo an irgendeinem Strand.

Welche Tipps würdest du Weltreise-Neulingen für eine gelungene Rückkehr bzw. ein zufriedenes und vielleicht sogar glücklicheres Leben nach der Weltreise geben? Ich weiss es nicht. Ich glaube wie ich gereist bin, kann ich mir nicht vorstellen das jemand schonmal gereist ist. Da ich sozusagen einen Reise-Burnout hatte. Man muss es locker angehen und unbedingt ab und an, an einem Ort länger bleiben. Eigentlich hab ich das gewusst denn viele Weltreisende sagten mir genau das vor meiner Reise. Habe natürlich auch recherchiert informiert und mich vorbereitet, aber gemacht habe ich es dann trotzdem nicht.


Wenn ihr es bis hierher geschafft habt mit dem Lesen, seht ihr ja selbst: Es sind acht Rückkehrer und herauskommen sind acht total verschiedene Geschichten und Erfahrungen…und manche haben tatsächlich ihr Leben danach komplett umgekrempelt!

Aber eines haben alle gemein: Auch wenn das Ende der Weltreise für keinen wirklich leicht war, so haben alle acht unglaublich viel gelernt, sind dankbarer denn je für ihr Leben und würden es ALLE IMMER WIEDER tun!! 

Also: Frohe Reise und gutes Zurückkommen ♥ Und am besten wirklich alles Schritt für Schritt angehen und dich nicht verunsichern lassen.

PS: Und wenn du ein bisschen Unterstützung brauchst beim Zurückkommen und dem Finden deines ganz eigenen Weges, dann schreib mich gerne an (nina@soultravelista.de). Ich habe während meiner Reise gleich zwei Coachingausbildungen absolviert und mich sehr, sehr intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt. In einem halbstündigen Gespräch können wir uns ganz unverbindlich einmal kennenlernen und unterhalten. Vielleicht hilft es dir bereits ein Stückchen weiter. Ich freue mich auf dich! Deine Nina, Soultravelista 🙂

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One thought on “Ende der Weltreise! Vorbei mit dem Spaß und zurück in den Alltag. Acht Reisende berichten…”

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