Was braucht man wirklich zum Glücklichsein? Wieviel Luxus? Wieviel Besitz? Was sonst? Was brauchst DU zum Glücklichsein?

Ich habe mir letzte Woche neue Schuhe gekauft. Für 50.000 kolumbianische Peso, das sind umgerechnet ca.15€. Es war kalt in Bogota und ich hatte keine Lust mehr alles mit meinen abgelaufenen Turnschuhen zu kombinieren. Und plötzlich hatte ich fünf neue Outfit-Kombis für unter 20 Grad und habe mich mega gefreut. Die letzten Wochen bestand meine Kleiderwahl aus Shorts, T-Shirt und Havaianas. Für alles andere war es sowieso zu warm. Ich habe die Auswahl aus meinem prallen Kleiderschrank nicht im geringsten vermisst. Und mir kam die krasse Erkenntnis, die mich eigentlich dazu gebracht hat diesen Artikel zu schreiben: Über das GANZE letzte Jahr habe ich mir die Menge an Klamotten gekauft, die ich sonst locker in einem EINZIGEN MONAT anschaffe.

Auch sonst habe ich im letzten Jahr jeglichen Luxus auf ein Minimum runter geschraubt. Maniküre, früher einmal im Monat Standard und mein Heiligtum, besteht heute aus einmal 3 Minuten kurz feilen, manchmal sogar schneiden. Früher undenkbar!! In meinem alten Leben war Friseur mit Strähnchen und allem Tamtam für mal eben so 140€ ziemlich normal. Heute schaffe ich Spitzen schneiden (wenn ich mich denn verständlich machen kann 😉 ) für ca. 10€.

Und immer wieder fragen mich Leute, wie ich mir das alles leisten kann. Das Reisen und Nicht-Arbeiten für so lange. Na ja, ich lebe tatsächlich oft wie ein Backpacker. Und dann schlafe ich auch mal im Schlafsaal, zuletzt in einem 6-Bett Zimmer in Bogota. Kostenpunkt 9€ die Nacht, inklusive Handtuch & Frühstück. In Brasilien habe ich wochenlang für unter 10€ die Nacht in einem Mehrbettzimmer geschlafen. Es geht auch noch günstiger wenn man wirklich will. Und jaaa manchmal nervt mich das. Mal mehr mal weniger. Aber wenn mein Fass an „immer unter Menschen sein“ voll ist und ich das dringende Bedürfnis nach Me-Time habe, dann gönne ich mir auch mal den Luxus eines Einzelzimmers. In Medellin in Kolumbien hatte ich ein Apartment ganz für mich. 17€ die Nacht. Ich fühlte mich wie eine Prinzessin in meinem eigenen Schloß! Das ist die schöne Nebenwirkung: Über Luxus, der eigentlich keiner ist, kann ich mich wieder freuen. Richtig freuen. Reisen macht auch demütig. Und dankbarer. Dir wird wieder klar, wie verdammt gut wir es eigentlich haben.

In Rio haben wir in einem Viertel gewohnt, wo wir hauptsächlich unter Locals waren, in Lapa. Abends ziemlich cool zum Ausgehen. Aber zum Wohnen schon ein bisschen grenzwertig. Teilweise mussten wir über fünf bis sechs Obdachlose steigen vor unserer Wohnung. Meine Wertsachen hatte ich stets sicher unterm T-Shirt verstaut. Und man musste schon schauen durch welche Straßen man geht. Mittags sind wir immer zu einem lokalen Buffet-Restaurant getingelt und haben dort für gute 4 Euro eine riesige Mahlzeit bekommen. Mit frischem Salat und Gemüse (in Brasilien gar nicht so einfach was Gesundes zu bekommen). In Ipanema, dem Reichen- und Touristenviertel, hätten wir locker das 3-fache ausgegeben. Kann man machen, muss man aber halt nicht. Ich bin froh das echte Rio kennengelernt zu haben.

Was will ich damit sagen? Reisen ist nicht immer nur Luxus. Und die schönen Bilder zeigen nicht immer die ganze Realität. Das „behind the scenes“ wird schnell ausgeblendet. Lange reisen kann auch stressen und ermüden. Und ich muss -wie alle anderen auch- auf mein Geld achten. Ich hatte gar nicht mit einer so langen Auszeit geplant und natürlich lebe ich nicht so, wie wenn ich nur mal drei Wochen in den Urlaub fahre. Und klar, manchmal sehne ich mich nach meinem gemütlichen Bett zu Hause. Nach mehr Komfort. Oder einfach mal nicht „Ausländer“ oder Fremd sein. Denn manchmal ist dieses Nichts-verstehen und Niemanden-kennen auch sehr anstrengend. Oder auch schlicht nervig, dass es z.B. nicht das Essen gibt, worauf man Lust hat. Jetzt bin ich gerade in Havanna in Kuba. Natürlich gibt es hier schicke Restaurants in denen es alles mögliche zu Essen gibt. Aber diese tollen Restaurants kosten eben auch sehr ordentlich. Also röste ich mir ein Brot mit Tomate in der Pfanne. In den „Supermärkten“ gibt es hier nicht wirklich was zu kaufen. Also schon, aber die Auswahl ist halt sehr dürftig… (auch sehr spannend das mal zu erleben!). Wenn man mal ’ne Butter findet ist man sehr happy. Oder ein Olivenöl. Oder Eier. Milch gibt’s gar nicht. 

Und wisst ihr was? Im Grunde braucht man dann irgendwie doch nicht viel mehr Luxus zum Leben. Und auch nicht zum Glücklichsein! Ich zumindest nicht. Und ich habe es mir vorher nie schlechtgehen lassen. Und mich ganz wohlgefühlt in meinem deutschen Komfortleben. Mit allen netten Annehmlichkeiten und Sicherheiten. Gemütlich. Und versteht mich nicht falsch: Ich liebe es immer noch von schönen Dingen umgeben zu sein. Und gutes Essen ist auch etwas ganz grossartiges. Aber unterwegs habe ich überraschenderweise festgestellt, dass ich nur sehr wenig BRAUCHE um glücklich und zufrieden zu sein. Freiheit. Warmes Wetter. Sonnenschein. Immer wieder was Neues entdecken und erleben können. Im Idealfall in toller & inspirierender Gesellschaft. Und noch idealer am Meer. Ein frisches Bett zum Schlafen, eine warme Dusche, genug zu Essen, gesund sein und wissen dass es meinen Lieben gut geht. That’s it!

Es lässt sich ziemlich gut aus nur einem Koffer oder Rucksack leben, über mehrere Monate. Viel mehr braucht man einfach nicht wirklich an Besitztum. Wie simpel das Leben sein kann! Manchmal stresst mich eher die Tatsache, dass ich zu Hause noch eine ganze Wohnung voller Kram habe. Besitz macht eben auch verantwortlich und bindet einen. Ich weiss gar nicht, ob ich da wieder wohnen will. Kann. Soll. Vor allem nicht für immer. Das ist die Nebenwirkung. Dieses Reisen macht leider süchtig. Man braucht nicht viel an Besitz, aber man hat die ganze Welt als sein zu Hause und als seine Spielwiese. Und diese Welt unterhält einen eben auch hervorragend. Mir ist niemals langweilig. Es gibt so viel zu sehen und zu erleben. Jeder Tag ist ein Abenteuer – wenn ich es will.

Und es macht für die eigene Laune halt einfach doch einen riesengrossen Unterschied ob die Sonne scheint und es warm ist, oder ob man im dunklen Schmuddel-Winter-Wetter sitzt. Selbst wenn ich mal einen nicht so tollen Tag habe (ja die gibts auch!), dann reicht es meistens eine Weile durch die Sonne in einem Park oder noch besser an einem Strand zu flanieren, um meine Laune zu heben. Bisschen Musik dazu auf die Ohren. Füße ins Meer und Blick auf die Natur. Gedanken schweifen lassen oder am besten mal nichts denken. Innere Ruhe und Instant Happiness garantiert 🙂 Klappt auch zu Hause. Da scheint nur leider nicht so oft die Sonne. Und Meer gibt’s halt auch nicht. Da muss die „Meditation“ dann auch ohne die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Nase klappen. Geht auch, logisch, aber ist schwerer. Natürlich hilft es auch, nicht den ganzen Tag in einem grauen Büro zu sitzen. Aber es gibt auch Tage, da sitze ich den ganzen Tag am grauen Küchentisch. Und tippe auf meinem Laptop. Und es gibt Tage, da zweifele ich. Daran, was ich eigentlich kann und wo genau ich hinwill. Aber interessanterweise nie an meiner Entscheidung da zu sein, wo ich gerade bin.

100% perfekt ist schwer. Gibt’s nicht. Aber die sind auch gar nicht nötig. Wichtig ist glaub‘ ich nur, dass man mit sich selbst in einen Flow kommt. Mal anfängt sich wirklich selber zu mögen. Sich kennenzulernen. Und rausfindet was man eigentlich braucht im Leben um glücklich zu sein. Was man WIRKLICH braucht. Nicht was andere einem sagen, was man brauchen sollte. Und dann auch danach handelt. Sich irgendwie auch einfach dazu zu entscheidet glücklich zu sein! Ich bin überzeugt davon, dass glücklich sein auch ganz viel mit einer inneren Einstellung zu tun hat. Take it, change it or leave it. Altes Sprichwort, aber immer noch wahr. Akzeptier‘ es, ändere es oder geh! Alles andere macht langfristig unzufrieden. Gibt es was, was nicht ganz passt in deinem Leben? Kannst du es akzeptieren, also deine Einstellung dazu ändern? Kannst du es oder willst du es ändern? Oder ist es Zeit, dich was Neuem zuzuwenden?

Ich bin gespannt wo mich meine Reise noch hinführen wird…. Jetzt erst mal zum Salsa-Tanzen. Raus aus meiner Komfortzone, denn ich ich kann (noch) kein Salsa, rein ins pralle kubanische Leben… und ja das macht mich glücklich. Jetzt gerade in diesem Moment. Weil ich wirklich Lust drauf habe zu tanzen. Und dieser Moment im Jetzt und Hier ist der einzige, den wir wirklich haben.

Was brauchst DU wirklich zum Glücklichsein? Weisst du es schon? Lebst du es schon? Oder bist du dabei es rauszufinden? Handelst du danach? ♥


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